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Ägypten

Geographische Angaben

Fläche

1'002'000 km²
24 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

65,2 Mio
9 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

65 Einwohner/km²
2 mal kleiner als in der Schweiz (177)

Bruttosozialprodukt

1'836 SFR
25 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Kopten

  9.2%

Muslime

90%

Sonstige

  0.8%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Ägypten 

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Heirate und konvertiere!


Sonntag, 25. September 2011

Koptische Frauen werden hinterhältig zur Heirat mit muslimischen Männern und zum anschliessenden Übertritt zum Islam gezwungen. Dies sind keine Einzelfälle, sagt CSI-Vorstandsmitglied Michele Clark.

Koptische Frauen: entführt und spurlos verschwunden   

Hanna (Name aus Sicherheitsgründen geändert) war mit einem muslimischen Mädchen in ihrer Nachbarschaft befreundet. Dieses machte Hanna mit ihrem Bruder bekannt. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und wurden Freunde. Eines Tages hatte das muslimische Mädchen etwas zu besorgen und liess Hanna alleine mit ihrem Bruder zurück. Er nutzte die Situation aus und vergewaltigte sie. Aus Scham und Furcht, was ihre Familie sagen würde, liess sich Hanna überzeugen, ihren Vergewaltiger zu heiraten und zum Islam zu konvertieren.

Christen sollen gehen

Michele A. Clark   

ah. Hanna ist nur eine von vielen Koptinnen, die gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam zu konvertieren. Michele A. Clark ist CSI-Vorstandsmitglied in den USA. Die anerkannte Menschenrechtsexpertin beschäftigt sich schwerpunktmässig mit den Problemen des internationalen Menschenhandels. Sie sieht im Vorgehen der Täter in Ägypten das immer gleiche Muster: Sie gewinnen das Vertrauen von koptischen jungen Frauen und missbrauchen dieses. Der Heirat folgt in der Regel nach wenigen Tagen die erzwungene Bekehrung zum Islam. Koptischen Frauen, die das Kreuz aufs Handgelenk tätowiert haben, wird dieses schmerzhaft entfernt:

Nach ihrer Zwangsheirat wurde Amira (Name aus Sicherheitsgründen geändert) vergewaltigt und geschlagen, weil sie sich weigerte, mit ihrem neuen Ehemann zu schlafen.

Das koptische Kreuz, das auf ihr Handgelenk tätowiert war und sie als Christin kennzeichnete, wurde mit Säure weggeätzt.

Zwangsheirat und Zwangskonversion – dieses heimtückische Vorgehen ist ein subtiles Mittel muslimischer Extremisten, um die christliche Minderheit in Ägypten einzuschüchtern. In Ägypten leben heute etwa acht Millionen Christen, 10 % der ägyptischen Bevölkerung. Seit dem Rücktritt Hosni Mubaraks haben die Entführungen massiv zugenommen. Die staatlichen Behörden stellen sich den Extremisten vielfach nicht mehr entgegen. Angesichts der bedrohlichen Atmosphäre wünschen sich viele Kopten, das Land zu verlassen. Ergeht es Ägypten so wie dem Irak? Dort ist der Exodus der christlichen Minderheit derzeit in vollem Gange.

Selber schuld?

Die jungen Koptinnen werden meistens nicht von Fremden zur Heirat und zur Konversion gezwungen, sondern von muslimischen Freunden, denen sie vertraut hatten. Wie ist das möglich? «Sie nutzen die Verletzlichkeit und Naivität der jungen koptischen Frauen aus», erklärte Michele Clark vor einem Ausschuss des US-Parlaments. Die Kopten sind in der ägyptischen Gesellschaft nicht gleichberechtigt. Viele sind arm. Muslimische Täter – das sind häufig auch Frauen – machen sich dies zunutze und locken die christlichen Frauen mit Geld. Zudem bieten sie ihnen oft eine (vermeintlich) heile Welt, in der sie ihre familiären Probleme hinter sich lassen können. Weiter stehen die Koptinnen, so Clark, unter einem Anpassungsdruck, den ihre muslimischen Kolleginnen in der Schule auf sie ausüben. Manche wollten dann einfach „so sein wie die andern“, dazugehören.

Sind die jungen Christinnen also selber schuld? Die Professorin für Menschenhandel stellt klar: Diese Vorfälle in Ägypten sind ein Paradebeispiel von Menschenhandel. Die Opfer werden getäuscht, in eine betrügerische Beziehung gelockt und dann ausgebeutet. Gemäss Artikel 3 des Uno-Zusatzprotokolls gegen Menschenhandel ist das Einverständnis eines Opfers von Menschenhandel irrelevant, wenn dabei Gewalt, Betrug oder Zwang im Spiel sind. Dass diese Elemente in den Beziehungen zwischen Muslimen und Koptinnen häufig vorhanden sind, hat Clark durch ihre eingehenden Untersuchungen vor Ort belegt.

Komplizenschaft der Behörden

Koptische Frauen, die unter Zwang heirateten und zum Islam konvertierten, können sich nur selten befreien. Oft werden sie nach ihrer Heirat von der Aussenwelt völlig abgekapselt und dürfen das Haus alleine nicht mehr verlassen. Selbst der telefonische Kontakt mit ihren Angehörigen wird verboten.

Wenn es Frauen gelingt zu fliehen, können sie nicht länger bei ihrer Familie leben. Sie würden diese in Gefahr bringen. Für solche Frauen gibt es verschiedene Institutionen, in denen sie geschützt leben können. Vor einer Anzeige schrecken die Entflohenen meistens zurück. Sie fürchten um ihre Familie. Wagen sie es dennoch, nimmt die Polizei ihre Anzeige häufig nicht einmal auf oder lässt die Untersuchung im Sand verlaufen. Bei ihren Recherchen konnte Clark keinen einzigen Fall finden, in dem ein Täter verurteilt worden wäre.

Vor dem ägyptischen Staat gelten die zwangsbekehrten Koptinnen als Muslime. Auf ihren Wunsch, wieder den christlichen Glauben anzunehmen, gehen die Behörden nicht ein. Sie sind jetzt Musliminnen, und Musliminnen dürfen nicht konvertieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob man von Geburt an Muslim ist oder erst später – und erst noch unter Zwang! – konvertiert hat.

Was können Sie tun?

Was können Sie gegen das Unrecht tun? Informieren, meint Clark: „Je breiter das Thema in der Öffentlichkeit bekannt ist, desto leichter ist es für die Opfer, ihr Schweigen zu brechen, desto geringer ist die Scham.“ Diesen Informationsauftrag will CSI in Zukunft noch stärker wahrnehmen.

Im November 2009 erschien der von Michele Clark für CSI mitverfasste Bericht «Das Verschwinden, die Zwangsbekehrung und die Zwangsverheiratung von koptisch-christlichen Frauen in Ägypten». Der 42-seitige Bericht ist auf Englisch und auf Deutsch verfügbar. Gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag senden wir Ihnen gerne ein oder auch mehrere Exemplar/e zu. Sie können den Bericht auch gratis herunterladen und das Referat von Michele Clark und jenes von zwei weiteren Referenten sowie das Video der dreistündigen Anhörung anschauen.

Ägyptenbericht  

 Video  

 Referate 


Michele A. Clark
ist Vorstandsmitglied von CSI-USA. Sie ist Lehrbeauftragte an der George Washington University für Menschenhandel, Frauen in der Weltpolitik und zeitgenössische Dissidenten-Bewegungen. Am 22. Juli wurde Clark von der Helsinki-Kommission zum Schicksal der Koptinnen angehört. Diese Kommission besteht aus 18 US-Parlamentariern sowie aus drei hochrangigen Vertretern der US-Regierung.


Bitte tragen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel ein!

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Christoph Klein

Donnerstag
17. November 2011
8:03

Der Bericht und das Video gehen unter die Haut. Danke, dass Ihr es publiziert habt! Weiter so!


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