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Ägypten 

Wo ist Amira?

Junge koptische Christinnen werden immer wieder von Islamisten entführt. Besonders bewegend ist das Schicksal von Amira Morgan.

ms. Alexandria, 18. Juli 2009: “Nachdem meine Tochter zur Arbeit ging”, so die Mutter von Amira Morgan (18), “rief mich ein Unbekannter an. Er fragte mich, ob ich Amiras Mutter sei. Ich bejahte. Der Anrufer nannte sich ‘Scheich Mohammed’ und sagte:

,Ihre Tochter (…) wird Muslima.’ Da flehte ich ihn an, meine Tochter zurückzugeben. Doch dieser antwortete: ,Amira werden Sie erst wieder sehen, nachdem sie Muslima geworden ist.’ Dann legte er den Hörer auf. Vergeblich versuchte ich, ihn zurückzurufen.”

Amira Morgan AINA  

Islamisten drohen

Die Mutter berichtet weiter: “Ich eilte zur nahen Moschee und fragte einen Mann am Eingang, ob er einen ‘Scheich Mohammed’ kenne. Da lachte dieser und sagte: ,Mir sind über fünfzig Personen gleichen Namens bekannt.’ Ich begann zu weinen. Dann erschien ein anderer Muslim und warnte mich: ,Sagen Sie der Polizei nichts über Amiras Entführung! Sonst wird Ihr kleiner Sohn vor Ihren Augen abgeschlachtet. (…). Amira wird am Freitag Muslima. (…) Gehen Sie nach Hause und warten Sie ruhig ab, bis alles vorbei ist.’ Die Muslime in meiner Nachbarschaft wussten von der Entführung meiner Tochter. (…) Doch selbst meine christlichen Bekannten liessen mich hängen. Allen macht die radikalislamische Salafi-Bewegung (eine Bewegung, die eine konsequente Rückkehr zum Ur­-Isalm fordert) Angst.” Heute halten sich Mutter und Sohn versteckt.

Polizei bleibt passiv

Im Juli 2009 wurden vier weitere junge Koptinnen entführt. Im Fall von Hanna Labib aus Sohag wurde ein Entführer ausgemacht und sogar von der Polizei verhört. Blosse Beteuerungen, wonach er Hanna zur Familie zurückbringen werde, genügten den Sicherheitsbeamten, um ihn wieder freizulassen. Ingy Basta wurde zuletzt gesehen, als sie in der Nähe ihres Wohnorts in Alexandria eine Besorgung machen wollte. Der Vater meldete der Polizei ihr Verschwinden. Dass die Sicherheitskräfte für Ingy mehr unternehmen als für Hanna Labib, ist für den Vater eher unwahrscheinlich. Er schätzt die Lage so ein: Solange die Polizei am gleichen Strang zieht wie die Islamisten, wird den Fällen kaum nachgegangen. Weitere Verschwundene sind Marian Bishay, die in einem Restaurant in Gizeh ein für die Familie bestelltes Nachtessen abholen wollte, und Reda Botros Samaa , die unterwegs zu einem Prüfungstermin in Assiut war. Die Polizei unternimmt zu wenig, um solche Entführungsfälle aufzuklären. Häufig bleibt es dabei, dass die gemeldeten Fälle lediglich zu den Akten kommen. Für das passive Verhalten der Sicherheitskräfte gibt es für die betroffenen Familien nur eine Erklärung: Die radikalen Islamisten schrecken nicht davor zurück, selbst die Polizei und die lokalen Behörden einzuschüchtern.

Verlangen Sie bei der ägyptischen Botschafterin nach Aufklärung!

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