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Aserbaidschan

Geographische Angaben

Fläche

86'600 km²
2,1 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

8,0 Mio
(Schweiz: 7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

92 Einwohner/km²
(Schweiz: 177)

Bruttosozialprodukt

780 SFR
59 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Orthodoxe

  4.8%

Muslime

93.4%

Sonstige

  1.8%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Aserbaidschan 

Land-Info 

Glanz und Gloria da, Gewalt und Gängelei dort


Montag, 14. Mai 2012

Ende Mai 2012 findet in der pompös hergerichteten Kristall-Halle in Baku der Eurovision Song Contest statt. Mit der Menschenrechtssituation kann Aserbaidschan leider nicht glänzen.

Die Kristall-Halle in Baku wurde eigens für den Contest gebaut euro  

«Es ist kalt, kalt, kalt», wird Sabina Babayeva singen. Sie vertritt Aserbaidschan am Eurovision Song Contest 2012, der Ende Mai in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfindet. Zwar besingt Babayeva das Ende einer grossen Liebe. Der Satz kann aber leider auch auf die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan bezogen werden. Human Rights Watch berichtete bereits im Februar 2012 von Zwangsräumungen und Enteignungen, die sogar nach aserbaidschanischem Recht illegal waren. Sie standen teilweise im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest.

Diskriminierung religiöser Minderheiten

1992 wurde ein restriktives Religionsgesetz erlassen, das in den letzten beiden Jahrzehnten 14-mal verschärft wurde.

Im Mai 2009 wurden sämtliche religiöse Organisationen verpflichtet, sich neu registrieren zu lassen (Art. 12). Selbst bereits registrierte Gemeinden müssen sich erneut um staatliche Anerkennung bemühen – dafür müssen (seit Juli 2011) die Unterschriften von mindestens 50 erwachsenen Gründungsmitgliedern vorgewiesen werden.

In Aserbaidschan sind über 90% der Bevölkerung Muslime. Inzwischen haben viele Moscheen die staatliche Registrierung erlangt. Kirchen wird dagegen oft misstraut. Besonders schwer benachteiligt werden Freikirchen. Grund ist deren Struktur: Weil jede Ortsgemeinde weitgehend autonom ist, sind Freikirchen nur schwer kontrollierbar, wodurch sich der repressive Staat bedroht sieht. So konnten die Baptisten – obwohl seit über hundert Jahren in Aserbaidschan tätig und damit zu den (im Regierungsjargon) «traditionellen» Glaubensgemeinschaften gehörend – landesweit bislang nur eine einzige Kirche in der Hauptstadt Baku offiziell registrieren. Eine Baptistenkirche in der nordwestlich gelegenen Kleinstadt Aliabad bemüht sich seit 18 Jahren vergeblich um die staatliche Anerkennung.

Klima der Angst

Staatspräsident Ilham Alijew mit Minister­kabinett praz  

Nach einer Razzia in seiner Wohnung wurde der Baptistenpfarrer Telman Alijew aus Neftchala am 6. Februar 2012 wegen der Zugehörigkeit zu einer nichtregistrierten Kirche zu einer Geldstrafe verurteilt. Dabei hatte er sich sehr wohl um die staatliche Anerkennung seiner Baptistenkirche bemüht.

Es herrscht ein Klima der Angst. Wer ohne staatliche Registrierung Gottesdienste oder andere religiöse Aktivitäten durchführt, wird bestraft und staatlichen Repressalien ausgesetzt. So kann beispielweise bis zu fünf Jahren eingesperrt werden, wer ohne staatliche Bewilligung religiöse Literatur produziert, importiert oder verteilt (Art. 167). Zudem können hohe Geldstrafen verhängt werden.

Autor: Max-Peter Stüssi
Quellen: Forum 18, eurovision.tv, Human Rights Watch


 Bericht von Human Rights Watch (Englisch) 


Eurovision Song Contest in Baku


Der 57. Eurovision Song Contest findet im Mai ( 22. /24. /26.) in Aserbaidschan statt. Sänger/-innen aus 42 Ländern treten gegeneinander an; die Jury und das Publikum bestimmen gemeinsam den Gewinner. Aserbaidschan hat den Wettbewerb 2011 gewonnen und tritt deshalb dieses Jahr als Gastgeber auf.  http://www.eurovision.tv  

 Aserbaidschans Eurovision-Beitrag 


CSI und Aserbaidschan


1992 und 1993 herrschte ein erbitterter Krieg zwischen den mehrheitlich muslimischen Bewohnern Aserbaidschans (Aseri) und den überwiegend armenischen Christen in der Enklave Nagorni Karabach. Nach der Auflösung der Sowjetunion zog Aserbaidschan die bisher weitgehend autonome Enklave an sich und wollte sie vollständig in Aserbaidschan eingliedern. Die Bewohner – hauptsächlich armenische Christen – befürchteten eine starke Benachteiligung und wehrten sich, wobei sie von Armenien unterstützt wurden. Um die Armenier zur Kapitulation zu zwingen, blockierte Aserbaidschan den Transportweg. CSI brachte in dieser Zeit mit Helikoptern und Flugzeugen tonnenweise dringend benötigte Medikamente und Nahrungsmittel zu den eingesperrten Armeniern und konnte damit die drohende humanitäre Katastrophe abwenden. Mit dieser Luftbrücke trug CSI entscheidend dazu bei, dass Aserbaidschan seine wirkungslos gewordene Blockade gegen Nagorni Karabach 1993 abbrach.


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CSI Adrian Hartmann

Mittwoch
16. Mai 2012
18:00

Über die missliche Menschenrechtslage in Aserbaidschan berichtet heute auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: http://www.igfm.de/Aserbaidschan-Was-bleibt-wenn-die-Musik-geht.3174.0.html


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