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Pakistan

Geographische Angaben

Fläche

796'095 km²
19 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

141,5 Mio
19 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

178 Einwohner/km²
(Schweiz: 177)

Bruttosozialprodukt

504 SFR
91 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  2%

Muslime

96%

Hindus

  1.5%

Sonstige

  0.5%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Pakistan 

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Weihnachten hinter Gittern


Montag, 21. November 2011

Asia Bibi: 1. Teil


Dieses Jahr erschien ein Buch von Asia Bibi, in dem sie über ihre Haftbedingungen, ihre Angst, ihre Mutlosigkeit schreibt. Dennoch keimt schwach Hoffnung auf.

ah. «Ich lege meine Hand auf meine Brust, die so flach wie ein Holzbrett geworden ist. Mein Bauch ist ausgehöhlt, meine Schenkel sind abgemagert, meine Arme sind dünn geworden und wenn ich meine Hände anschaue, könnte ich meinen, ich sei schon tot. Ich möchte weinen, aber ich habe heute keine Tränen. Ich möchte schreien, aber ich spüre, dass ich keine Stimme mehr habe. Mein Atem ist sehr schwach und reicht gerade noch, um nicht zu sterben. Ich möchte mir die Haare ausraufen, aber ich liebe sie sehr. Ich habe hier gelernt, zu krepieren und trotzdem am Leben zu bleiben.»

Das ist Asia Bibi. Seit zweieinhalb Jahren ist eine kalte, feuchte Gefängniszelle ihr Zuhause. Aus Sicherheitsgründen wird sie von einer Videokamera pausenlos überwacht. Sie kocht ihr Essen selber, damit man sie nicht vergiften kann. Ihr Gefängniswärter beschimpft und schikaniert sie.

«Der glücklichste Tag im Jahr»

2008 hat Asia das letzte Mal mit ihrem Mann Ashiq und den fünf Kindern Weihnachten feiern können, «für uns, die wir Jesus begegnet sind, der glücklichste Tag im Jahr». Sie hatte viel gearbeitet, um sich ein neues Kleid kaufen zu können. Es war grün-weiss wie die Flagge Pakistans: grün für den Islam, weiss für die Minoritäten. Zusammen mit der einzigen christlichen Familie in ihrem Heimatdorf Ittanwali fuhren sie zur Kirche in Sheikhupura. Nach der dreistündigen Messe versammelten sich die Christen auf dem kleinen Platz vor der Kirche um mehrere Feuer, wo sie die Geburt Jesu erneut besangen und beteten. Jede Familie brachte ihren Weihnachtskuchen mit. Asia hatte wie jedes Jahr zusammen mit ihrer Nachbarin einen riesigen Weihnachtskuchen gebacken.

Ein seltsames Geräusch in ihrem Bauch reisst Asia Bibi aus ihren Gedanken. Eine unendliche Traurigkeit befällt sie. Diese Kirche liegt doch ganz in der Nähe vom Gefängnis, sie könnte sie sogar zu Fuss erreichen! Da kommt überraschend Zénobia. Zénobia ist ein Lichtblick im Gefängnis. Normalerweise ist Khalil für Asia zuständig, der keine Möglichkeit auslässt, um sie zu demütigen und zu schikanieren. Sie fürchtet sich vor ihm, fürchtet, dass er sie tötet. Zénobia dagegen ist auch Christin. Obwohl sie nicht arbeiten müsste, kommt sie zu Asia. Sie putzt die Zelle, hat sogar Rosenduft dabei. Und schliesslich drückt sie Asia noch ein Stück Weihnachtskuchen in die Hand. Asia hat Tränen in den Augen. Sie empfindet die Trennung von ihrem Mann Ashiq und ihren Kindern umso schmerzlicher: Imran, Nasima, Isha, Sidra und die erst 9-jährige Isham. Asia denkt an ihre geistig behinderte 15-jährige Tochter Isha, die nicht versteht, wo die Mama ist.

Der schlimmste Tag im Leben

Wer versteht das schon! Warum ist Asia Bibi im Gefängnis? Am 14. Juni 2009 pflückte sie zusammen mit anderen Frauen Beeren. In einer Pause trank sie Wasser und reichte den Becher einer Frau neben ihr, da schrie eine der Frauen: Trink nicht, es ist haram (unrein)! Asia habe den Becher verunreinigt, weil sie Christin sei. Daraus dürften sie als Musliminnen nicht mehr trinken. Und das bei 45 Grad – es gab nur diesen einen Becher.

Asia ist sich zwar gewohnt, zu schweigen und sich anzupassen. Dass sie für den gleichen Lohn ein grösseres Becken füllen muss als alle anderen, ist für sie normal. Sie freut sich, dass ihre Kinder in der Schule zusammen mit den andern den Koran lesen lernen. Während der Gebetszeiten legt sie sich ein Kopftuch auf den Kopf und während des Ramadans isst die Familie ausserhalb des Hauses nichts. Aber dass sie nun beschimpft und ihr Glaube schlecht gemacht wird, erträgt sie nicht: «Ich will nicht konvertieren. Ich glaube an meine Religion und an Jesus Christus, der für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben ist. Was hat denn euer Prophet Mohammed getan, um die Menschen zu retten? Und warum sollte ich konvertieren und nicht ihr?»

Die Frauen stürzen sich wütend auf sie, beschimpfen sie als wertlos, als dreckige Hure, und schlagen sie. Schliesslich gelingt es Asia aufzustehen. Sie rennt so schnell sie kann nach Hause – schluchzt und schluchzt. Ashiq besänftigt sie: Die Frauen haben das schon vergessen. Aber Asia hat Angst. Berechtigte Angst. Fünf Tage später wagt sie sich wieder auf das Feld. Zuerst geht alles gut. Dann aber kommt ein Mob – alles Muslime aus ihrem Dorf! – schreiend auf sie zu: Sie habe Mohammed beleidigt und müsse sterben. Sie wird halbtot geschlagen, beschimpft, vom Imam verhört. Schliesslich «rettet» die Polizei sie und wirft sie ins Gefängnis. Wenig später müssen auch Ashiq und ihre fünf Kinder das Dorf verlassen, weil sie mit dem Tod bedroht werden.

Fortsetzung: Asia Bibi: 2. Teil  

Wie helfen?

Was können Sie für Asia tun? Asias Antwort: «Erzählen Sie davon, was mir passiert ist. Lassen Sie es andere wissen. Ich glaube, dass dies meine einzige Chance ist, nicht hier in dieser Zelle zu sterben. Ich brauche Sie! Retten Sie mich!»

Füllen Sie die untenstehende Protestaktion aus.

Schicken Sie Asia selber einen ermutigenden Brief

Briefvorlage und Adressen von gefangenen Christen  

Beten Sie für Asias Freilassung und die Bewahrung ihrer ganzen Familie.

Machen Sie Politiker auf die traurige Geschichte aufmerksam.



«Rettet mich!»

Das Buch ist aus Asia Bibis Sicht geschrieben, für die Analphabetin aufgezeichnet hat es allerdings die französische Journalistin Anne-Isabelle Tollet. Diese hat Asia nicht selber treffen können, sondern hat über deren Mann (auch er ein Analphabet) mit Asia kommuniziert. Entstanden ist ein trauriges Buch, in dem das Sterben eine wichtige Rolle spielt – es erscheint in drei der neun Kapitelüberschriften. Asia Bibi beschreibt die trostlose Zeit im Gefängnis, wie sie schikaniert wird und jegliche Hoffnung schwinden will. Gleichzeitig erzählt sie aber auch, wie sie aufgewachsen ist, wie sie ein glückliches Leben geführt hat – bei allen Einschränkungen, die Christen in Pakistan auf sich nehmen müssen. In ihren Erinnerungen findet die Gefangene Trost. Ihre Gebete zu Gott geben neue Hoffnung. Die öffentliche Aufmerksamkeit und das Wissen, für ähnliche Opfer einen wichtigen Kampf zu führen, ermutigen sie. Der Papst und Regierungen aus aller Welt protestieren für ihre Freilassung. Dabei ist sie eine ungebildete Bauernfrau, wie sie selber sagt.

Ein berührendes, packendes Buch, das Mitleid, Empörung und doch auch ein bisschen Hoffnung weckt.

Aus dem Französischen
Weltbild-Verlag
192 Seiten
Fr. 19.90


Leseprobe

«Ich schreibe Ihnen aus den Tiefen meines Gefängnisses in Sheikhupura, Pakistan, wo ich meine letzten Tage verbringe – vielleicht meine letzten Stunden. Das teilte mir zumindest das Gericht mit, das mich zum Tode verurteilt hat.

Ich habe Angst. – Ich habe Angst um mein Leben, um das meiner Kinder und das meines Mannes, die ebenfalls leiden müssen: Durch meine Schuld ist meine gesamte Familie verurteilt worden.

Aber dennoch ist mein Glaube gefestigt, und ich bitte den barmherzigen Gott, uns zu beschützen. Ich wünsche mir so sehr, wieder ein Lächeln auf den Lippen meiner Lieben zu sehen ... Doch ich weiss, dass ich mit Sicherheit nicht mehr lange genug unter den Lebenden weilen werde, um diesen Tag zu erleben. Die Extremisten werden uns niemals in Frieden lassen.

Ich habe niemals getötet, niemals gestohlen ... Jedoch habe ich nach dem Rechtsverständnis meines Landes etwas viel Schlimmeres getan: Ich bin eine Gotteslästerin. Ich habe das Verbrechen aller Verbrechen begangen, die grösste aller Beleidigungen: Man beschuldigt mich, schlecht über den Propheten Mohammed gesprochen zu haben. Das ist eine Beschuldigung, mit der man alle loswerden kann, gegen die man etwas hat, ganz egal welche Religion oder welche Meinung sie haben.»


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