Startseite
Sitemap  

Land-Info 

zurück  

Pakistan

Geographische Angaben

Fläche

796'095 km²
19 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

141,5 Mio
19 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

178 Einwohner/km²
(Schweiz: 177)

Bruttosozialprodukt

504 SFR
91 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  2%

Muslime

96%

Hindus

  1.5%

Sonstige

  0.5%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Pakistan 

Land-Info 

Wann sieht Asia ihre fünf Kinder wieder?


Freitag, 25. November 2011

Asia Bibi: 2. Teil

Auch nach 17 Monaten Gefängnis hat Asia Bibi die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich der Irrtum aufklärt und sie freikommt.

ah. Endlich! Endlich wird sich das Missverständnis klären. Endlich wird sich herausstellen, dass sie Mohammed immer geachtet hat. Endlich wird man sie freilassen.

Asia Bibi kann die Gerichtsverhandlung kaum erwarten. Sie ist seit 17 Monaten im Gefängnis, hat aber noch nie einen Richter gesehen. Dass es bereits 17 Monate sind, hat man ihr gesagt. Asia Bibi selber hat die Orientierung verloren. Tage und Nächte gleichen sich: In der Zelle ist es immer dunkel. Einzig aus den Geräuschen erkennt Asia ungefähr die Tageszeit: Türknallen bedeutet Wachwechsel, ein rasselnder Schlüsselbund mit Schrittten und quietschenden Rädern bedeutet Essenszeit, ein scheppernder Eimer bedeutet Arbeitszeit. Ungestörten Schlaf kennt sie nicht mehr. Die Pritsche ist zu hart, die Kleidung feucht.

Seit 17 Monaten die fünf Kinder nicht mehr gesehen

„Heute Abend, wie jeden Abend, bedrückt mich die Abwesenheit meiner Kinder viel mehr als dieses Gefängnis. Sie nicht berühren, sie nicht spüren zu können. Ich würde alles dafür geben, einen Augenblick mit ihnen zu verbringen, zu Hause, zu sechst mit meinem Mann im grossen Bett aneinandergekuschelt.

Familie von Asia Bibi VOM  

Ich muss lachen, wenn ich an die nicht enden wollenden Entlausungszeremonien letzten Winter denke, als Isham, meine jüngste Tochter, sich im Wäschekorb versteckt hat, um dem Lauskamm zu entkommen. Ashiq, mein Mann, hat den Kindern beteuert, dass ein Floh, der sich von der Kopfhaut eines kleinen Mädchens ernährt, eines Tages so gross wie eine Ratte sein würde, wenn man nicht achtgibt.
„Eine Ratte?! Eine Ratte in meinen Haaren?“, hat Isham gerufen und sich schnell unter meinen Rock geflüchtet.
Mein Gott, wie sehr habe ich diese Momente geliebt.“

Das war einmal. Wehmütig denkt Asia an ihre Familie zurück. Ihre Erinnerungen kann ihr niemand nehmen. Und sie geben ihr Kraft. Bald wird es wieder wie früher. Bald wird sie ihre Kinder wieder umarmen, ihren Mann Ashiq wieder küssen können. Das Gericht wird ihre Unschuld beweisen.

Einige Tage vor der Gerichtsverhandlung kommt Ashiq sie besuchen. Er könne zwar nicht in den Gerichtssaal kommen, da er sonst gelyncht werde. Er werde aber draussen auf sie warten und sie dann in Empfang nehmen. Ashiq lächelt breit: „Bald ist es vorbei, es ist höchste Zeit. Du bist jetzt nämlich schon über ein Jahr hier eingesperrt. Es ist wirklich gut, dass der Prozess endlich stattfindet. Die Kinder und ich haben bereits beschlossen, dass wir eine grosse Feier für dich machen, wenn du zu uns zurückkommst.“

Asia weint vor Freude: Endlich wird sie ihre Familie wiedersehen. Endlich wird sie die Hölle ihres Gefängnisses verlassen können. Zum ersten Mal trennt sie sich leichten Herzens von Ashiq: Sie werden ja bald für immer vereint!

„Soll ich noch bezahlen, dass man mich umbringt?“

Dann kommt er endlich, der ersehnte 8. November 2010. Die Beratung des Gerichts in Nankana Sahib dauert nur fünf Minuten, dann verkündet der Richter Naveed Iqbal sein Urteil: Todesstrafe durch Erhängen und Geldstrafe von 300 000 Rupien. Das Urteil geht in lautem Jubel unter: „Tötet sie! Allah akbar!“, schreien die Anwesenden befriedigt. Sogar drei Mullahs sind an den Prozess gekommen. Schliesslich werden gar die Türen des Gerichtsgebäudes eingebrochen und von einer euphorischen Horde eingenommen: „Vergeltung für den Heiligen Propheten, Allah ist gross!“


Asia weint. Sie weint alleine. Ihre Familie ist nicht da, kein Anwalt vertritt sie. Selbst die Polizisten an ihrer Seite sind zufrieden mit dem Urteil. „Also weinte ich ganz allein, meinen Kopf zwischen die Hände gelegt. Ich konnte den Anblick dieser hasserfüllten Menschen nicht mehr ertragen, die dem Todesurteil gegen eine arme Landarbeiterin Beifall spendeten.“


Bevor der Mob Asia etwas antun kann, verlassen die beiden Polizisten mit ihr den Gerichtssaal durch eine Hintertür. Sie wird wieder in ihrer schäbigen Zelle eingesperrt – und sie meinte, sie sehe diese nie wieder. „Todesstrafe durch Erhängen, wie entsetzlich!“, denkt Asia Bibi. „Und als ob es nicht ausreichte, mich zu töten, muss ich auch noch eine Geldstrafe von 300 000 Rupien entrichten. [...] Soll ich noch dafür bezahlen, dass man mich umbringt?“


Sie hört, wie ihre Zellennachbarinnen zum täglichen Spaziergang herausgelassen werden. Asia fühlt sich nicht stark genug, das Gerede der andern Frauen zu ertragen. Khalil, der Gefängniswärter, schliesst die Türe auf. „Es ist gut, dass du endlich für deine ungeheuren Taten bezahlen musst! Und jetzt beweg dich draussen ein bisschen, während du darauf wartest, am Strick aufhängt zu werden.“ Asia sagt mit leiser Stimme, sie möchte lieber nicht hinausgehen. Khalil gibt ihr einen Tritt, der sie durch die ganze Zelle schlittern lässt. Rot vor Zorn brüllt er: „Ich habe dich nicht nach deinen Wünschen gefragt, du widerliches Miststück!“ Die anderen Gefangenen behandeln sie wie die Pest und schauen sie scheel an. Alle wissen es: Asia ist zum Tod verurteilt.

Noch am gleichen Abend schreibt die Analphabetin Asia gedanklich ihren Abschiedsbrief.


Der Abschiedsbrief


«Mein lieber Ashiq, meine lieben Kinder,

Euch steht jetzt eine schwierige Zeit bevor. Heute Morgen bin ich zum Tode verurteilt worden. [...]

Seitdem ich wieder in meine Zelle zurückgekehrt bin und jetzt sicher weiss, dass ich sterben werde, drehen sich alle meine Gedanken um Dich, mein Ashiq, und um Euch, meine geliebten Kinder. [...] Dir, Imran, mein grosser, achtzehnjähriger Sohn, wünsche ich, dass Du eine gute Ehefrau findest, die Du glücklich machen wirst, wie Dein Vater mich glücklich gemacht hat. Du, meine grosse 22-jährige Nasima, hast Deinen Mann und Deine liebenswürdigen Schwiegereltern bereits gefunden. Schenke Deinem Vater Enkel, die Du in christlicher Nächstenliebe erziehen wirst, wie wir es mit Euch gemacht haben. Du, meine sanfte Isha, bist fünfzehn Jahre alt, aber Du bist etwas eingeschränkt im Denken und Handeln. Trotzdem haben Papa und ich Dich immer als Geschenk Gottes angesehen, Du bist so freundlich und so grossherzig. [...] Sidra, Du bist erst dreizehn Jahre alt, und ich weiss, seitdem ich im Gefängnis bin, bist Du diejenige, die sich um den Haushalt kümmert, diejenige, die sich Deiner grossen Schwester Isha annimmt, die Hilfe braucht. Ich mach mir Vorwürfe, Dir das Leben einer Erwachsenen auferlegt zu haben, Dir, die Du noch so klein bist und die eigentlich noch mit Puppen spielen sollte. Meine kleine Isham, Du bist erst neun Jahre alt und wirst schon Deine Mutter verlieren. [...]

Meine Kinder, verliert nicht den Mut und auch nicht den Glauben an Jesus Christus. [...] Meine Töchter, ich hoffe, Ihr habt so viel Glück einen so guten Mann zu finden, wie Euer Vater für mich einer ist.

Ashiq, ich habe Dich vom ersten Tag an geliebt und die zweiundzwanzig Jahre, die wir gemeinsam verbracht haben, haben es bewiesen. Ich habe niemals aufgehört, dem Himmel dafür zu danken, Dich kennengelernt zu haben. [...]

Ihr wisst, warum ich sterben werde, und ich hoffe, Ihr macht mir keine Vorwürfe, so schnell von Euch gegangen zu sein, denn ich bin unschuldig, und nichts von dem, was mir vorgeworfen wird, stimmt. Du weisst es, Ashiq, wie Du auch weisst, dass ich weder gewalttätig noch grausam sein kann. Ich bin nur manchmal etwas trotzig. [...]

Ich weiss noch nicht, wann sie mich hängen werden, aber seid beruhigt, meine Lieben, ich werde mich erhobenen Hauptes dorthin begeben, denn ich werde in Begleitung unseres Herrn und der Heiligen Jungfrau Maria sein, die mich in ihren Armen aufnehmen werden. Mein guter Mann, erziehe unsere Kinder weiterhin so, wie ich es gerne gemeinsam mit Dir getan hätte.
Ashiq, meine geliebten Kinder, ich werde Euch für immer verlassen, aber ich liebe Euch bis in alle Ewigkeit.»

Fortsetzung folgt
Asia Bibi: Dritter Teil
Asia Bibi erhält hohen Besuch

Asia Bibi: Erster Teil  

Wichtige Personen

Asia Noreen Bibi: Hauptperson

Ashiq: ihr Ehemann

Imran: 18-jähriger Sohn

Nasima: 22-jährige Tochter, verheiratet

Isha: 15-jährige Tochter, geistig behindert

Sidra: 13-jährige Tochter,
kümmert sich um den ganzen Haushalt

Isham, 9-jährige Tochter

Khalil: grausamer Gefängniswärter

Zénobia: christliche Gefängniswärterin,
einzige Freundin im Gefängnis


Bitte tragen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel ein!

Kommentieren  

Eugen Hofer

Dienstag
6. Dezember 2011
15:20

............ mir fehlen jegliche Worte, Weinend Spreche ich mit Gott über Bibi, Ashiq, Imran, Nasima, Isha, Sidra, und Isham. Auch für Khalil und ganz besonders für Zénobia.

Liselotte Vogel

Dienstag
6. Dezember 2011
16:28

Mir kommen die Tränen und ich leide mit. Gut, dass wir beten können und ich bitte Jesus, dass er die ganze Familie, aber auch alle Christen in Pakistan segnet und stärkt und tief erfüllt.

Alban Clematide

Sonntag
22. Januar 2012
18:44

Gibt es eine Kartenaktion an die Pakistanische Regierung und oder die Botschaft in Bern?

Bitte Infos umgehend an mich.

Es gruesst Euch

Alban Clematide

Egg 5

8372 Wiezikon bei Sirnach

Anmerkung
der Redaktion

Adrian Hartmann

Montag
23. Januar 2012
8:17

@Alban Clematide: Jawohl, auf den Link oben "Asia Bibi: Erster Teil" klicken, dann erscheint die Protestaktion. Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

m.martha schmid

Donnerstag
9. Februar 2012
10:37

Asia Bibi und ihre Familie sind Glaubenszeuge. Wie können Asia Bibi und ihr Mann in aller Drangsal und Not aushalten, wenn sie nicht erfüllt wären von der Gewissheit:."Gott ist gegenwärtig, seine Liebe ist grösser aös aööer Hass und aller Schmerz". Unsere Solidarität im Gebet wird sie stärken.

michaela rabbani

Sonntag
25. März 2012
20:48

war mit einem pakistaner verheiraetet und habe 8 kinder,wurde auch nie akzeptiert als europaerin und christin!warum kommen diese menschen den nach europa in chrisliche länder,wenn sie in eigenem land,christen verfolgen und ermorden?und von uns wollen sie hilfe und respekt!die sollen erst mal lernen andere menschen mir anderer religionen und kultur zu respechtieren!

Kommentieren  


Print-Version 

Ähnliche Themen (4/10)

Pakistan
«Christen sind Hunde»
9. Mai 2012
Der pakistanische Christ Imran Ghafur Masih soll den Koran entheiligt haben. Er bekam deshalb lebenslänglich. Wir fordern seine Freilassung.
Pakistan
Gedenkkonzert
6. März 2012
Im Gedenken an den vor einem Jahr ermordeten Minister Shahbaz Bhatti organisierte CSI ein Konzert. Es endete – bei allem Ernst – hoffnungsvoll.
Pakistan
Christian Solidarity International: Konzert im Gedenken an pakistanischen Minister
1. März 2012
Der pakistanische Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, wurde vor einem Jahr von Islamisten ermordet. In Greifensee findet am Sonntagabend, 4. März 2012, um 17 Uhr ein Gedenkkonzert statt.
Pakistan
Konzert im Gedenken an Shahbaz Bhatti
8. Februar 2012
Am 2. März 2011 wurde der pakistanische Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, von Islamisten ermordet. Wir veranstalten zum traurigen Jubiläum ein Konzert.
Alle anzeigen (10)

Neu diese Woche
Veranstaltungen
CSI bei Ihnen
Lesungen
Veranstaltungsreihe
Gedenk-Konzert
Warum wir helfen
Glaubensverfolgte
Notleidende Kinder
Katastrophenhilfe
Berichte / Infos
Religionsfreiheit
Schweiz
Statements
Länderberichte
Ägypten
Äthiopien
Aserbaidschan
China
Deutschland
Indien
Indonesien
Iran
Irak
Kasachstan
Kuba
Laos
Lettland
Libyen
Malediven
Naher Osten
Nicaragua
Nigeria
Pakistan
Peru
Rumänien
Saudi-Arabien
Südsudan
Türkei
Turkmenistan
USA
Vietnam
Tansania / Sansibar
Usbekistan
Protestaktionen
Medien
Aktuelle Berichte
Berichte 2010
Berichte 2009
Berichte 2008
CSI-Weltkarte
Europa
Asien West
Asien Ost
Afrika
Amerika
Erläuterungen
CSI-Newsletter
Spenden
Spende-Möglichkeiten
Online-Spenden
Einzahlungsschein
LSV Lastschriftverfahren
CSI-Geschenk-Karte
Umgang Spendengelder
Spendenkonto
Handeln
Protestieren
Gebtesanliegen d. Tages
CSI-Newsletter-Abo
Newsletter Info
Magazin
Engagement
Über CSI
Was ist CSI
Warum CSI?
Geschichte
Struktur
Jahresbericht 2010
Unser CSI-Team
Internationale Vertretung
FAQ
Shop
Bücher
Broschüren
Weitere Artikel
Mein Vermächtnis
Kontakt
Adressen / E-Mail
Links
CSI-Sites
weitere Links
CSI-Links
Deutsche Links
Englische Links

Site-Suche

Sudan / Südsudan
Für 408 Sklaven endet jahrelange Pein










Herzlich willkommen!

Religionsfreiheit ist die Basis für Frieden und Freiheit einer Gesellschaft.

Die Christen sind weltweit die grösste Religionsgruppe, die diskriminiert, verfolgt oder mit dem Tod bedroht wird.











Erhalten Sie
das tägliche
Gebetsanliegen
bereits per E-Mail?

CSI ist eine christliche Menschenrechtsbewegung
für Religionsfreiheit
und Menschenwürde