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Irak

Geographische Angaben

Fläche

438'317 km²
11 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

23,8 Mio
3 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

54 Einwohner/km²
3 mal kleiner als in der Schweiz (177)

Bruttosozialprodukt

3'570 SFR
13 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  4%

Muslime

95%

Sonstige

  1%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Irak 

Land-Info 

Kugel statt Dank


Donnerstag, 25. August 2011

«Ich hoffe, die Attentäter werden ihren Irrweg einsehen», sagte Dr. Yousif. Sie jagten ihm in Mosul eine Kugel in den Kopf. Er überlebte schwerverletzt – und möchte später wieder als Arzt praktizieren. In Mosul.

Dr. Yousif kurz nach dem Attentat zvg  

gw/ah. Die beiden gaben sich als Patienten aus. Sie zeigten Röntgenaufnahmen. Dass sie Muslime waren, spielte für den Christen Dr. A. Yousif (Name geändert) keine Rolle. Er behandelte jeden, egal ob Christ, Muslim oder Jeside. Dennoch traf es am 12. Januar 2011 ausgerechnet ihn.
Plötzlich zogen sie eine Pistole. Ein Schuss traf den 54-Jährigen in die Nasenwurzel, die Kugel drang durch das Gehirn und blieb im Hinterkopf stecken. Dr. Yousif blieb bei vollem Bewusstsein. Er rief mit dem Handy noch seine Frau an, bevor er wegen starkem Blutverlust zusammenbrach.

Dr. Yousif (Mitte) mit Frau, zwei Töchtern und John Eibner zvg  

So gut wie erschossen

...nach ersten Operationen zvg  

Dr. Yousif ist Vater von vier jungen Frauen zwischen 18 und 22. Eine Tochter studiert in Mosul Zahnmedizin. Er selber arbeitete 32 Jahre lang als Arzt. In Mosul hatte er eine Praxis, wo er Patienten einmal pro Woche sogar kostenlos behandelte. Er ist Mitglied des britischen Royal College of Physicians und erhielt mehrere hohe Auszeichnungen von arabischen medizinischen Institutionen.
Jordanische Spezialisten gaben Dr. Yousif eine fünfprozentige Überlebenschance.

Sie sprechen von einem Wunder, dass er noch lebt. Die Operationen waren sehr riskant: Öffnung der linken Schädelseite, gefährliche Eingriffe am Gehirn, Verschluss des Schädels mit einer Titanplatte. Der Arzt ist nahezu blind, sein Sehnerv links ist vermutlich zerstört, auch das Gehör, der Geruchs- und der Geschmackssinn sind in Mitleidenschaft gezogen.

Freundschaft kann lebensgefährlich sein

...und einige Monate später CSI  

«Ein einziger meiner muslimischen Kollegen wagte es, mich in Mosul fünf Stunden lang notfallmässig zu operieren», erzählte Dr. Yousif. «Ich habe viele muslimische Freunde, Ärzte und natürlich meine Patienten. Nach dem Attentat besuchten sie mich im Krankenhaus, aber niemand wagte, sich ins Besuchsbuch einzutragen. Alle wollten anonym bleiben. Sie befürchteten Anschläge, wenn herauskäme, dass sie mit mir befreundet sind. Das Problem ist gesellschaftlicher Art», erklärte er, «wir sind in den Augen von Muslimen ‹Kuffar› (Ungläubige).»
Die Familie von Dr. Yousif gehört der chaldäischen Kirche an, sie war gut mit Pfarrer Ragheed Ganni und Bischof Paulus Faraj Rahho befreundet. Beide wurden in Mosul von Terroristen umgebracht. Trotz der grossen Gefahr blieb Dr. Yousif seinen Patienten treu, bis die Attentäter vor ihm standen. Wir fragten ihn, was er für Täter empfinde, die so etwas tun. Er antwortete: «Ich bin Christ. Gott hat es so gewollt, dass ich am Leben geblieben bin.

Ich kann nur hoffen, dass diese Leute sich nicht durchsetzen und dass sie ihren Irrweg einsehen.» Kein Hass, keine Verbitterung. Sollte er die Sehfähigkeit zurückgewinnen, würde er weiter als Arzt arbeiten.
Dr. Yousif steht auf und geht in sein Schlafzimmer. Er leidet fast ununterbrochen unter Kopf- und Augenschmerzen, an Schlaflosigkeit und manchmal an Krämpfen.


Hilfe für Terroropfer

Die CSI-Mitarbeiter Dr. John Eibner und Gunnar Wiebalck besuchten den christlichen Arzt in Jordanien, wo er behandelt wird. Sie brachten ihm und seiner Familie einen Beitrag an die hohen Operationskosten. Wir wollen ihm und anderen Terroropfern im Irak weiterhin so wirksam wie nur irgend möglich helfen. Danke für Ihr Mittragen der CSI-Irakarbeit.


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