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Rumänien

Geographische Angaben

Fläche

238'391 km²
5 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

22,4 Mio
3 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

94 Einwohner/km²
(Schweiz: 177)

Bruttosozialprodukt

2'064 SFR
22 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Christen

96.3%

     Katholiken

  4.7%

     Protestanten

  3.2%

     Orthodoxe

87.6%

     andere Christen

  0.8%

Juden

  0.1%

Sonstige

  3.6%

Rumänien 

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Laurentiu will Präsident werden

Seit 1996 engagiert sich CSI in Rumänien mit dem Kinderprojekt “Speranta Copiilor” (Hoffnung für Kinder). Waisenkinder haben so ein Zuhause gefunden und können bei fürsorglichen Pflegeeltern in einem familiären Umfeld aufwachsen.

Familie Ene mit ihren Pflegekindern CSI  

hz. “Spielen wir Fussball? Ich bin der Kapitän.” Mit diesen Worten begrüsst mich ein aufgeweckter Junge namens Laurentiu. Ich konnte kaum antworten, da hat der dreizehnjährige Junge die Mannschaften bereits eingeteilt. Lautstark dirigiert er seine Mitspieler; er bestimmt zudem, wer ins Tor muss. Die beiden Mannschaften stellen sich auf: Pflegekinder des von CSI getragenen Kinderprojekts “Fundatia Speranta Copiilor” (Stiftung Hoffnung für Kinder) und drei CSI-Mitarbeiter, die die Familien besuchten. Voller Elan kämpfen die Kinder um den Ball. Alle wollen unbedingt ein Tor schiessen.

Vorbildliches Familien-Modell

Laurentiu und Valentin im Kampf um den Ball CSI  

“Lauru, Lauru”, rufen die Mitspieler ihrem Kapitän zu, sobald er am Ball ist und ihnen zuspielen soll. Er ist das älteste von vier Kindern, die bei der Familie Ene leben. In der Stadt Câmpina, in der Nähe von Bukarest, gründete CSI 1996 das Kinderprojekt “Speranta Copiilor”. Eltern und Kinder, die von ihren leiblichen Eltern verlassen wurden, sollten neu entdecken, was es bedeutet, eine Familie zu sein. Die Ceausescu-Diktatur hatte die natürlichen Familienstrukturen über Jahrzehnte gezielt zerstört. Daher war das Pflegefamilien-Modell in Rumänien ein fremdartiger Ansatz. Drei Ehepaare wurden in einem Selektionsverfahren ausgewählt.

Heute betreut Familie Dragomir drei Pflegekinder. So auch Familie Barbulescu, die zusätzlich einen Jungen adoptiert hat. Es sind demzufolge elf Kinder, die mit Hilfe von CSI ein Zuhause gefunden haben und nun in einem familiären Umfeld aufwachsen können. Die Vorzüge der Pflegefamilien haben auch die rumänischen Sozialbehörden erkannt. Sie haben ähnliche Familien-Modelle in weiteren Dörfern umgesetzt. Heute sind die alten Heim-Modelle weitgehend durch Pflegefamilien-Modelle ersetzt.

Last der Vergangenheit

Laurentiu CSI  

Wie alle Kinder in dem Projekt kam auch Laurentiu bereits als Kleinkind zu seinen Pflegeeltern. Laurentiu war nicht immer so offen und zuversichtlich, wie er es heute ist. Sein Start ins Leben war sehr unerfreulich und für Laurentiu schwer. Tagelang lag er in schmutzigen Windeln und bekam nur unregelmässig Nahrung. Seine Mutter, geprägt vom alten System, war unfähig, sich um das Baby zu sorgen. Bisher hatte der Staat die Kinder aufgezogen. Die Nachbarn konnten das Wimmern des Kindes nicht länger ertragen und alarmierten die Behörden. Der Familie musste das Sorgerecht entzogen werden. Normalerweise hätte Laurentiu in einem solchen Fall in einem staatlichen Waisenhaus platziert werden müssen. Genau in dieser Zeit startete CSI das Kinderprojekt “Speranta Copiilor”. Heute ist Laurentiu tief verwurzelt in der Pflegefamilie. Es ist seine Familie. Er hat eine innige Beziehung zu seinen Pflegeeltern, die er Mama und Papa nennt, sowie zu seinen Pflegegeschwistern.

Abschiedsbrief

Der familiäre Halt hilft Laurentiu auch, wenn ihn die Belastungen seiner frühkindlichen Erfahrungen einholen. In den ersten Schuljahren bemerkten die Lehrer bei ihm bedeutende Schwächen. Seine Entwicklung hatte enorm gelitten, und Laurentiu hatte schwerwiegende emotionale wie auch intellektuelle Defizite. Vor einigen Jahren hatte er in seiner Hoffnungslosigkeit einen Abschiedsbrief geschrieben. Frustrationen und Ohnmacht, ausgelöst durch die vielen schulischen Misserfolge, erfüllten ihn mit einer grossen Traurigkeit. Laurentiu hatte sich jedoch mit der Hilfe seiner fürsorglichen Pflegeeltern schliesslich wieder gefangen. Mit viel Liebe, Geduld und Einfühlungsvermögen tragen sie dazu bei, dass seine tiefen seelischen Wunden allmählich heilen. Heute begegnet er uns als ein aufgeweckter Junge. Er ist sehr kommunikativ, emotional gefestigt und glaubt an sich und seine Fähigkeiten. Vor allem aber ist er sich gewiss, dass er geliebt wird.

Ein vielversprechender Präsident

Während unseres Besuchs finden in Rumänien gerade Präsidentschaftswahlen statt. Laurentiu verrät mir, dass er selber einmal Präsident werden will. Er schildert mir ausführlich, welche Massnahmen er ergreifen werde. “Die alten Menschen sollen eine Wohnung bekommen”, verkündet er staatsmännisch. Weil er selber viel Liebe brauchte, hat er ein grosses Herz für die Schwachen dieser Gesellschaft, erklärt mir sein Pflegevater. Ich frage ihn, was er später einmal machen möchte. “Etwas mit Elektronik”, ist die Antwort. Der Pflegevater bestätigt mir, dass sich Laurentiu für die Elek-tronik interessiert. Die Lehre als Elek-triker ist für den dreizehnjährigen Jungen heute ein realistisches Ziel, da sich auch seine schulischen Leistungen deutlich verbessert haben. Vor einigen Jahren hätte noch niemand gewagt, für Laurentiu ein solches Berufsziel zu formulieren.

Ihre Hilfe macht es möglich, dass Waisenkinder eine Chance für ein besseres Leben erhalten.


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