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Sudan / Südsudan 

Christen im Sudan in Gefahr


Montag, 18. Juni 2012

Nichtmuslimische und nichtarabische Bevölkerungsteile werden vom islamistischen Regime brutal unterdrückt. In den Gliedstaaten Südkordofan und Blauer Nil geht Khartum sogar militärisch gegen die Zivilbevölkerung vor.

Omar al-Bashir ruft zum Kampf auf, April 2012 reut  

Der sudanesische Diktator Omar al-Bashir hat seit der Unabhängigkeit des Südsudans keinen Hehl aus seinen Plänen für den (Nord-)Sudan gemacht. Immer wieder betont er in seinen Reden, dass der Sudan ein arabischer und islamischer Staat sein müsse. Deshalb soll beispielsweise der Geltungsbereich der Scharia auch auf sämtliche Nichtmuslime ausgedehnt werden. Solche Massnahmen zur Islamisierung des Sudans und insbesondere al-Bashirs Aufrufe zum Heiligen Krieg zeigen Wirkung. Die Bereitschaft in der Bevölkerung, gegen Minderheiten vorzugehen, wächst. Christen und christliche Einrichtungen werden zunehmend Ziele von Gewalt. So fuhren am 9. April 2012 fanatische Muslime mit einem Bulldozer vor eine presbyterianische Kirche in Sudans Hauptstadt Khartum. Sie riefen dazu auf, alle Südsudanesen aus dem Norden auszuweisen, und bezeichneten diese als unerwünschte Ausländer. Noch verhinderte die Polizei eine Eskalation. Am 21. April 2012 marschierten jedoch die Extremisten – 500 Männer – erneut auf. Diesmal steckte der Mob die Kirche mitsamt deren Bibelschule, Klinik und Altersheim in Brand. Der Mob verletzte zwei Geistliche und zerstörte zudem mehrere Privathäuser. Die Polizei schaute untätig zu.

In Grenzgebieten besonders gefährdet

Die Kirche in Khartum wurde am 21. April 2012 vollständig zerstört CD  

Besonders dramatisch sind die Entwicklungen in den Gliedstaaten Blauer Nil und Südkordofan mit den Erdölquellen von Heglig und dem umstrittenen Grenzgebiet Abyei. Zwar wurde im Friedensabkommen vom Januar 2005 eine Einigung über die Zugehörigkeit dieser Gebiete erzielt. Jedoch wurde das Abkommen nicht durchgesetzt. Die Bevölkerung konnte sich nicht dazu äussern, ob sie Teil des Sudans bleiben will. Die Schwarzafrikaner im Süden der beiden Gliedstaaten kämpften während des Bürgerkriegs auf Seiten der südsudanesischen Rebellen und zogen das Misstrauen des Regimes in Khartum auf sich.

Bevölkerung flüchtet

Die UNO bringt südsudanesische Flüchtlinge aus dem Norden nach Juba, 14.05.12 unhcr  

Bei den Gouverneurswahlen für Südkordofan im Mai 2011 wurde Ahmed Haroun zum Sieger erklärt. Er gehört der Nationalen Kongresspartei al-Bashirs an und wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Darfur-Konflikt gesucht – wie übrigens auch Omar al-Bashir selber. Ahmed Haroun soll für die Aufstellung der grausamen Janjaweed-Milizen verantwortlich gewesen sein.

Im Anschluss an die Wahl von Haroun kam es vor allem in den Nuba-Bergen zu Aufständen. Das Regime begann umgehend, militärisch gegen die Rebellen vorzugehen. Offenbar wurden auch erneut arabische Milizen aufgestellt und bewaffnet, um Angehörige der nichtarabischen Nuba zu ermorden. Des Weiteren setzt Khartum seit Juni 2011 seine Luftwaffe für Flächenbombardements ein. Bei den Angriffen wird nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschieden. So wurden im Februar und im März 2012 in Südkordofan eine Kirche und eine Bibelschule bombardiert.

Zehntausende sind vor den Kämpfen nach Äthiopien und in den Südsudan geflohen. Andere flüchteten in die höheren Bergregionen. Weil die Bauern wegen der anhaltenden Bombardierungen praktisch nichts anbauen konnten, drohen in dieser Region nun auch Hungersnöte.

Autor: Max-Peter Stüssi
Quellen:Compass Direct, Asia News, Ecumenical News International


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