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Sudan 

Rabbiner feiert im Sudan


Montag, 27. Juni 2011

Was verbindet Juden mit südsudanesischen Ex-Sklaven?

Rabbiner Joseph Polak inmitten berfreiter Sklaven CSI  

Sie alle wurden befreit: die Juden vor 3000 Jahren aus der Sklaverei in Ägypten, die Südsudanesen in der Gegenwart aus der Sklaverei im Nordsudan.

Auf der letzten Sudanreise war der Rabbiner Joseph Polak mit CSI unterwegs. Er hat den Holocaust überlebt und arbeitet heute als Kaplan (jüdischer Geistlicher) an der Boston University. Der Boston Globe publizierte einen Artikel von ihm. Wir drucken den Artikel gekürzt und leicht bearbeitet nach.

Ungesäuertes Brot

Die gemeinnützige Organisation Christian Solidarity International lud mich in den Südsudan ein, um für die Sklaven, die sie vor kurzem befreien konnte, den Seder (Beginn des jüdischen Pessach-Festes) zu feiern. Wir Juden gedenken dabei der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei – gar nicht weit entfernt vom Sudan im Norden.

Nun stand ich unter einem riesigen Mangobaum und wandte mich an 160 befreite Sklaven. Sie sassen am Boden und starrten mich anfänglich in misstrauischem Schweigen an. Sie tranken mit mir ein wenig Wein und assen ein Stück ungesäuertes Brot und ein gekochtes Ei. Langsam brachte ich sie dazu, mit mir Lieder zu singen – eine Art zu feiern, die unsere beiden Völker gemeinsam haben. Allmählich wurde ihnen klar, dass wir aus dem gleichen Grund zusammen assen.

Gott erinnert sich an uns

«Ich bin hier, weil auch mein Volk von der Sklaverei befreit wurde», sagte ich ihnen durch einen Dolmetscher. «So wie an euch erinnerte sich Gott auch an uns. Und es gibt keine grössere Erfahrung als die, dass sich jemand an uns erinnert.»

Welch ein Glück, dass die früheren Sklaven, die ich hier traf, in die Freiheit geführt wurden. «Sprecht ein Segensgebet», ersuchte ich sie, «und seid euch bewusst, was für ein grosser Tag dies heute ist. Wenn Gott sich darauf beschränkt hätte, sich an eure Not zu erinnern – dayenu (wie wir auf Hebräisch sagen), es wäre genug. Wenn Gott sich darauf beschränkt hätte, euch zu eurem Volk zurückzuführen – dayenu, es wäre genug. Aber ihr wurdet sogar in ein Land zurückgebracht, das ab Juli – zum ersten Mal in der Geschichte – ganz euer Eigentum sein wird – dayenu, das ist wirklich genug.»


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