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Südsudan 

Verjagt und beraubt


Sonntag, 16. Oktober 2011

Mit der Unabhängigkeit des Südsudans haben die Probleme der Südsudanesen im Norden zugenommen. Selbst auf der Flucht wartet der Tod.

Bol mit CSI-Mitarbeitern CSI  

gw. Am 9. Juli 2011 erklärte der Südsudan in der Hauptstadt Juba am Nil seine Unabhängigkeit. In der 1000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Bezirkshauptstadt Aweil werden wir Zeugen, dass die Geburt dieses neuen Staates nicht ohne Schmerzen vonstattengegangen war. Neben dem Schienenstrang, der die beiden sudanesischen Landesteile seit der britischen Kolonialzeit miteinander verbindet, entdeckten wir ein gestrandetes Häuflein von Südsudanesen. Sie waren in den Kriegsjahren in den Nordteil des Landes geflüchtet und sind jetzt zurückgekehrt.

Flucht in den Tod

Ein paar löchrige Wasserbehälter, zerschlissene Decken, Kochtöpfe und Plastiksandalen sind alles, was Deng Deng Arop und seine Familie noch besitzen. «Unsere arabischen Nachbarn wollten uns loswerden», berichtete der hagere alte Mann. «Zuerst mussten wir um einen Platz im Zug kämpfen, dann haben sie meine Söhne mit Gewalt beinahe wieder aus den Waggons gezerrt.»

Dann in Südkordofan, kurz vor der Überquerung der Grenze zum Südsudan, kam der im Schritttempo über die welligen Schienen holpernde Zug mit seinen über 1000 Passagieren abrupt zum Stehen. Panik brach aus, als Araber das Feuer auf die Reisenden eröffneten und ihr Gepäck plünderten. Als der Zug einige Stunden später seine Horrorfahrt fortsetzte, fehlten zwei Dutzend der Passagiere, die meisten erschossen, die in den Busch geflüchteten ohne Chance. Der von dem Schrecken immer noch wie gelähmte 14-jährige Bol Mayen Bol verlor so seinen Bruder Chan. Die beiden waren bei der chaotischen Abreise auch noch von ihrer Mutter getrennt worden.

Wir konnten Busse organisieren und dafür sorgen, dass die Überlebenden zu ihren Verwandten weiterreisen konnten.


«Ungläubige» bedroht

Im neuen Staat Südsudan herrscht Religionsfreiheit. Sudans Präsident Omar al-Bashir hatte bereits vor der Abspaltung des Südsudan gedroht, den Norden ganz zu islamisieren. Im Juli und im August erhielten mindestens zehn Pfarrer Drohungen per SMS: «Wir wollen einen vollständig islamischen Staat. Deshalb müssen wir die Ungläubigen töten und ihre Kirchen im ganzen Sudan zerstören.» Bitten wir um Sicherheit für die Christen im Sudan.


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