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Sudan / Südsudan 

Ein Freudentag


Donnerstag, 1. Dezember 2011

Die Befreiung von Sklaven muss weitergehen. Immer noch sind über 30 000 Menschen im Sudan in Sklaverei.

Willkommen zu Hause: Akuach Mawien Cholbilg (links) wurde befreit CSI  

bd. Unser klappriger Geländewagen schaukelt durch die trockene Buschsteppe im Grenzgebiet zum Nordsudan. Wie der Fahrer sich hier orientiert, ist mir ein Rätsel, doch er scheint den Weg genau zu kennen. Mit Mitarbeitern und einigen Freunden von CSI bin ich im Südsudan unterwegs, um eine weitere Sklavenbefreiung abzuschliessen.

Geister auf Pferden

Kuac Akoon Garang kann wieder lachen CSI  

Wir bewegen uns in einem der Gebiete, wo bis 2005 ein grausamer Bürgerkrieg tobte. Insbesondere die Zivilbevölkerung hatte schwer zu leiden. Die kleineren und grösseren Dörfer, die hier verstreut im Busch liegen, waren den Überfällen durch marodierende Janjaweedmilizen schutzlos ausgeliefert. Janjaweed bedeutet übersetzt «Geister auf Pferden». Betrachtet man die Landschaft, so versteht man den Namen. Es müssen gespenstische Momente des Grauens gewesen sein, wenn erst ein Reiter zwischen den Büschen auftauchte, dann ein zweiter und schliesslich mehrere hundert. Das Schicksal der Zivilisten war dann besiegelt: Tod, Vergewaltigung und Sklaverei.

CSI-Geschäftsführer B. Doberstein verteilt Hirse CSI  

Der sechsjährige Frieden liess die Menschen aufatmen und zur Ruhe kommen, doch viele Probleme bleiben ungelöst.

Mein Kollege Gunnar Wiebalck reisst mich aus meinen Überlegungen: «Es ist trockener als gewöhnlich», sagt er. «Zu trocken. Um diese Zeit sollte eigentlich alles grün sein.» Tatsächlich waren die Felder, die ich bisher gesehen hatte, eher braun als grün. Zum Teil konnten sie wegen der Trockenheit nicht einmal bestellt werden. Wenn überhaupt, dann würde es eine sehr dürftige Ernte geben und das bedeutet: hungern. Nur wenige Wochen später konnte CSI hier, dank grosszügiger Spenden, helfen, den Ernteausfall zu überbrücken.

«Sie sind jetzt frei!»

Anfänglich skeptische Blicke CSI  

Nach über zwei Stunden erreichen wir unser Ziel: eine Lichtung mit einem grossen Baum. Unter den weitausladenden, schattenspendenden Ästen eine Menschengruppe. Still und unsicher sitzen sie da und warten. Frauen jeden Alters, darunter viele Mütter mit Kleinkindern, aber auch ältere Kinder und junge Männer. In den letzten Wochen hatte der muslimische Rückführer Osman B., der sich seit Jahren für die Befreiung von Sklaven einsetzt, diese Gruppe langsam zusammengesammelt. Teils kaufte er Sklaven, teils arrangierte er Fluchten, teils nahm er Sklaven einfach mit. So wuchs die Gruppe auf rund 200 Personen an. Den Schutz des Buschlandes ausnutzend, führte er die befreiten Sklaven zurück in ihre Heimat.

Nicht alle haben verstanden, was hier geschieht. Die meisten halten den Blick gesenkt, wagen es nicht, uns anzuschauen. Freundlich spricht mein Kollege Dr. John Eibner die Menschen mit Hilfe unserer lokalen Übersetzer an. Er erklärt ihnen, dass sie befreit worden sind, fragt, wie sie auf dem Weg hierher vom Rückführer behandelt wurden. Osman sei sehr freundlich gewesen, ein guter Mensch, antworten sie überraschend laut. Die Befragung der Gruppe geht weiter. Fast die Hälfte der Frauen musste Kinder in der Sklaverei zurücklassen. Viele Menschen sind von körperlichen Misshandlungen gezeichnet und berichten von den Qualen, die sie durchlitten haben. Keiner hat jemals einen Arzt gesehen. CSI-Arzt Dr. Luka Deng beginnt sofort damit, Verletzte und Menschen mit Verdacht auf Malaria und andere akute Krankheiten auszusondern. In den nächsten Stunden wird er sein «Behandlungszimmer» unter einem Baum haben, einen Patienten nach dem anderen untersuchen und Medikamente verabreichen.

Das CSI-Team teilt sich auf. John und CSI-Freund Mike Gerson, ein Journalist der international renommierten Washington Post, lassen sich abseits der Gruppe mit einzelnen befreiten Sklaven nieder, um sie in ruhiger und geschützter Atmosphäre vertieft zu befragen. Gunnar Wiebalck geht an die Dokumentation der Befreiten. Vorgängig hatten unsere lokalen Mitarbeiter bereits die Eckdaten und das Schicksal aller Rückkehrenden mit einem standardisierten Fragebogen erfasst. Gunnar fotografiert nun jede zurückgekehrte Person, prüft die Fragebögen und schickt von Zeit zu Zeit weitere Personen zu Dr. Luka. Gunnars ruhige, den Menschen zugewandte Art trägt dazu bei, dass sie ihre Scheu nach und nach verlieren. Behutsam beginnt er, mit einzelnen zu kommunizieren, zu scherzen, mit den Kindern zu spielen, und bald tönt das Lachen von freien Menschen zu den anderen herüber.

Nach Jahren ein Wiedersehen

Später werden Startsäcke und Nahrungsmittel verteilt. Vor kurzem noch waren diese nun Freigelassenen im Besitz ihrer Sklavenhalter. Sie hatten nichts. Doch heute ändert sich das alles. Mit Freude und Begeisterung packen sie die Säcke aus, wie Weihnachtsgeschenke. Die Freude breitet sich aus. Verwandte, Freunde und Nachbarn aus den umliegenden Dörfern kommen dazu. Plötzlich liegen sich Menschen, die alle Hoffnung auf ein Wiedersehen verloren hatten, glücklich in den Armen. Ein Gottesdienst wird gefeiert. Lieder werden gesungen. Dann wird gemeinsam gegessen. Ein Ochse wurde für dieses Festmahl geschlachtet.

Nach Jahren voller Erniedrigung und Leiden nun ein Tag der Freude, des Glücks und des Neuanfangs für die befreiten Sklaven. Während ich die Szenerie beobachte, denke ich an die grosse Zahl von Südsudanesen, die noch versklavt sind. Wir wollen weiterarbeiten, bis jeder Sklave einen solchen Freudentag erleben kann.


 

Herzlichen Dank, dass Sie sich mit uns für die Befreiung der Sklaven im Sudan engagieren!

Fr. 

50.–

Erstversorgung für eine befreite Sklavin und ihr Kind

Fr. 

80.–

Nahrung für sechs junge Mütter auf dem Weg in die Heimat

Fr. 

150.–

Befreiung von drei Sklaven

Fr.  .–   anderer Betrag

per Einzahlungsschein oder online



Verantwortlicher Umgang mit Spendengeldern  


Bitte tragen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel ein!

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