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Türkei

Geographische Angaben

Fläche

779'452 km²
19 mal so gross wie die Schweiz (41'293 km²)

Einwohner

66,2 Mio
9 mal mehr als in der Schweiz (7,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

85 Einwohner/km²
2 mal kleiner als in der Schweiz (177)

Bruttosozialprodukt

3'036 SFR
15 mal tiefer als in der Schweiz (45'996 SFR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  0.2%

Muslime

99%

Sonstige

  0.8%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Türkei 

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Doppeltes Katastrophengebiet


Montag, 19. Dezember 2011

Ein verheerendes Erdbeben hat die Türkei heimgesucht. CSI reiste zu den Opfern. Die Auswirkungen des Erdbebens sind katastrophal. Katastrophal ist auch die Menschenrechtssituation in der Türkei.

Im Epizentrum Erciş fielen zahlreiche Häuser in sich zusammen CSI  

je. Kürzlich bin ich von einer Reise in die Osttürkei zurückgekehrt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Gunnar Wiebalck unterstützten wir die Kirchgemeinde in Van bei der Verteilung von Nahrungsmitteln. Eine dringend erforderliche Nothilfe für Menschen, die infolge des jüngsten Erdbebens ihr Hab und Gut verloren hatten. Einige Erfahrungen möchte ich hier mit Ihnen teilen.

Hilferuf aus der Türkei

Beim Erdbeben wurden Tausende verletzt CSI  

Am 23. Oktober wurde die Osttürkei von einem Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richterskala getroffen. Das Beben tötete über 600 Menschen, zerstörte über 2000 Gebäude; Tausende wurden obdachlos.

Ein türkischer Kontaktmann erzählte uns, dass eine Kirche im Erdbebengebiet eine Hilfsaktion für die Menschen plane, die obdachlos geworden waren oder aus Angst vor Nachbeben ihre Häuser verlassen hatten. Er fragte uns, ob wir mithelfen könnten. Dank unseren Unterstützern waren wir dazu in der Lage! Wir flogen in das betroffene Gebiet, um die dortigen Christen zu treffen und sie bei ihren Hilfsmassnahmen zu unterstützen.

23 Familienmitglieder tot

In der Nacht fällt die Temperatur unter Null CSI  

Zwar waren alle Menschen in der Umgebung vom Beben in der einen oder andern Art betroffen. Die Christen blieben von schlimmerem Unheil verschont. Ihre Nahrungsmittelhilfe kam muslimischen Nachbarn zugute und wir waren froh, helfen zu können.

Gunnar und ich besuchten die Stadt Erciş, die am stärksten vom Erdbeben betroffen war. Selbst eine Woche nach dem Beben war das Ausmass der Zerstörung unglaublich. Jedes zehnte Haus war während des Bebens zusammengebrochen.

Spital im Freien CSI  

Einer unserer Freunde, ein christlicher Pastor, besuchte mit uns in Erciş eine Familie, die 23 Mitglieder verloren hatte.

Leider wurde unser Hotel während unserer kurzen Reise von zwei Nachbeben erschüttert. Das zeigte mir deutlich: Die Einheimischen hatten gut daran getan, aus Angst vor Nachbeben aus ihren schlecht gebauten Häusern zu flüchten.

Christen angeblich Volksfeinde

Ich wünschte, ich könnte mehr über die Christen erzählen, die wir in diesem Gebiet trafen. Doch leider kann ich das nicht. Die Christen in der Türkei leben gefährlich. In diesem überwiegend muslimischen Land machen sie weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Jeder Kontakt mit westlichen Organisationen, sogar mit einer Nichtregierungsorganisation wie CSI, könnte zu falschen Anschuldigungen und viel Ärger führen. Christen sind regelmässig Opfer diffamierender Medienkampagnen, in denen sie als Feinde des türkischen Volkes und des türkischen Staates dargestellt werden.

Die Geschichte der Kirche in der Türkei des letzten Jahrhunderts ist tragisch. Während des Ersten Weltkriegs erklärten die osmanischen Herrscher in der Türkei öffentlich den Dschihad und starteten eine Kampagne, um die Christen auszulöschen. Über eine Million armenische und andere Christen wurden dabei getötet, die meisten der Übriggebliebenen flohen in die Nachbarländer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren 20 Prozent der Türkei christlich. Heute ist es weniger als ein Prozent.

Van, die Stadt, in der wir untergebracht waren, war einst eine weitgehend armenische Stadt. Doch sie wurde während des Genozids von den Osmanen zerstört und entvölkert. Vom Ufer des Van-Sees aus konnten wir auf hohen Klippen noch die Ruinen von Kirchen und Festungen der alten Stadt sehen.

Ermutigung in vergiftetem Klima

Leider wissen die meisten Türken heute wenig über den Völkermord an den Armeniern oder leugnen ihn schlichtweg. Türkische Journalisten und Professoren, die dieses Thema öffentlich aufgriffen, wurden wegen Beleidigung der türkischen Nation gerichtlich verfolgt oder sogar ermordet. Zwei muslimische Männer, die ich auf meiner Reise antraf, bezeichneten den Genozid scherzhaft als «die Zeit, als sich alle Armenier davonmachten und die besten Frauen mitnahmen“.

Während die heutige Türkei nominell ein säkularer Staat ist, in dem Religionsfreiheit garantiert ist, sind Christen dort immer noch Gewalt, Feindschaft und Verdächtigungen ausgesetzt. Im vergangenen Sommer wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche in der Türkei, Bischof Luigi Padovese, von seinem Leibwächter enthauptet. Diesen Leibwächter hatte der Staat dem Bischof zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2006 wurden im türkischen Malatya drei christliche Verleger gefoltert und bestialisch getötet. Nach den Aussagen eines türkischen Religionssoziologen ist das religiöse Klima in der Türkei derart vergiftet, dass jedes nicht muslimische religiöse Treffen ein Risiko ist.

Sie können sich vorstellen, wie ermutigt unsere christlichen Freunde in der Osttürkei waren, als sie Glaubensgeschwister trafen, die ihnen solidarisch beistehen. Die Christen, denen wir auf unserer Reise begegneten, waren sehr dankbar für unsere Unterstützung und baten uns, ihren Dank auch an unsere Freunde weiterzugeben. Deshalb von unseren Brüdern und Schwestern in der Türkei an Sie: Herzlichen Dank!

Bitte beten Sie sowohl für die Christen in der Türkei als auch für die Überlebenden des Erdbebens.

Turkey’s Christians under Siege  

weitere Infos über die Türkeireise  

Wird das Haus (in Erciş) den Nachbeben standhalten können? CSI  


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