Befreit nach jahrzehntelanger Misshandlung

Die junge Südsudanesin Athieng Deng Achuthok wurde im Sudan ihren Eltern entrissen und versklavt. Ihr unbarmherziger Gebieter schlug sie immer wieder und zwang sie zum Islam. Vor kurzem trat in ihrem Leben eine radikale Wende ein.

Athieng ist dankbar, dass sie befreit wurde und ihren Sohn mitnehmen konnte, dessen Vater ihr einstiger Gebieter ist. csi

Athieng war ein kleines Mädchen, als sie während des Sezessionskriegs zwischen dem Norden und dem Süden des Sudans (1983-2005) ihren Eltern von islamistischen Kämpfern weggenommen wurde. Sie hatten damals als Familie in einem Flüchtlingslager im Sudan gelebt, nachdem sie aus dem heutigen Südsudan vertrieben worden waren. Doch Athieng weiss nur noch, wie sie sich im Haus ihres Gebieters Ahmed wiederfand.

In ihren jungen Jahren musste Athieng für Ahmeds Frau hart schuften. Regelmässig wurde ihr befohlen, das Haus zu reinigen und Wasser mit einem Esel herbeizuschleppen. Doch Athieng konnte sich anstrengen, soviel sie wollte. Eine Anerkennung erhielt sie nie. «Stattdessen wurde ich von der ganzen Familie verachtet und beschimpft», erzählt sie.

Verlust einer Ziege mit Konsequenzen

Auch vor Misshandlungen blieb sie nicht verschont. Ein Ereignis hat sie dabei besonders mitgenommen. Als sie wieder einmal Ahmeds Ziegen im Wald hüten musste, brach eine Ziege aus der Herde aus. Athieng machte sich vergeblich auf die Suche.

Die verloren gegangene Ziege wurde von einem Bauern aus der Nachbarschaft eingefangen. Dieser war nur gegen Bezahlung bereit, das Tier dem ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. «Ahmed war sehr wütend auf mich. Er schlug mich heftig und erniedrigte mich den ganzen Tag lang mit den schlimmsten Schimpfwörtern», erinnert sich Athieng.

Besonders schmerzhaft war für sie die Genitalverstümmelung, die sie als junge Frau über sich ergehen lassen musste. Sie litt ausserdem besonders darunter, dass Ahmeds Familie sie zum Islam zwang und sie regelmässig von ihrem Gebieter sexuell missbraucht wurde.

Eine unerwartete Begegnung

Dass in ihrem Leben eine Wende eintreten könnte, hätte die heute 25-jährige Frau nicht für möglich gehalten. Umso überraschter war sie, als ihr am 22. Mai 2021 bei einer Wasserstelle ein arabischer Händler begegnete, der im Auftrag von CSI südsudanesische Sklaven im Sudan befreit. «Er sagte, er sei gekommen, um mich in meine Heimat zurückzubringen», erklärt Athieng.

Voller Vorfreude ging sie mit ihm zu seinem Lager, wo sie andere ehemalige Sklaven von ihrem Stamm der Dinka traf. Zusammen legten sie den langen Weg zurück in den Südsudan. Nach mehreren Tagen wurden Athieng und ihre ehemaligen Leidensgenossen von CSI in der Nähe der Stadt Aweil empfangen. «Wir erhielten alle einen Startsack mit Werkzeugen, einen Sack mit Hirse und eine Milchziege. Ich bin so dankbar, dass ich mein Leben hier neu beginnen kann.»

Reto Baliarda

Ihr Kommentar zum Artikel

Wir freuen uns, wenn Sie hierzu eine Rückmeldung oder Ergänzung haben. Themenfremde, beschimpfende oder respektlose Kommentare werden gelöscht.

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.