Ehemalige Feinde liegen sich in den Armen

Am Kongress «Christenverfolgung heute» in Schwäbisch Gmünd (D) berichtete CSI-Projektmanager Franco Majok über den jahrzehntelangen Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden des Sudans. Ebenso rückte er die Sklavenbefreiung von CSI ins Zentrum. Eine unerwartete Geste der Reue und der Versöhnung erfolgte beim anschliessenden Referat des Sudanesen Yassir Eric.

Früher Feinde, heute Glaubensbrüder: Yassir Eric und Franco Majok. csi

Franco Majok koordiniert bei CSI die Sklavenbefreiungsaktionen im Sudan/Südsudan. Er stammt selbst aus dem Südsudan und reist jedes Jahr mehrmals dorthin, um den Empfang der im Sudan befreiten Sklaven zu koordinieren.

Am alle zwei Jahre stattfindenden Kongress «Christenverfolgung heute» in Schwäbisch Gmünd erhielt Majok die Gelegenheit, als einer der Hauptreferenten über die Sklavenbefreiung im Sudan und deren Hintergründe zu sprechen.

Zu Fuss in den Kongo geflohen

Als gebürtiger Südsudanese offenbarte er den rund 300 Zuhörern auch seine persönliche Geschichte. Nachdem die einstige Kolonialmacht Grossbritannien die Region verlassen hatte, übergab es alle Macht dem Norden des Sudans und überliess den Süden seinem Schicksal.

Während des ersten Bürgerkriegs von 1955 bis 1972 beabsichtigten sudanesische Islamisten, den christlichen Süden zu islamisieren. «Weil sich mein Vater für die Schulbildung einsetzte und mein Bruder sich dem Widerstand anschloss, galt meine Familie als Staatsfeind. Ich selbst floh als Jugendlicher zu Fuss in die Demokratische Republik Kongo und kehrte erst nach dem Friedensschluss zurück», erzählt er.

Auch beim zweiten Bürgerkrieg von 1983 bis 2005, bei dem die sudanesische Regierung fürs ganze Land die Scharia einführte, musste Majok fliehen. Er flüchtete nach Ägypten, von wo aus er Jahre später in die USA auswanderte. Beim erneuten Krieg wurden muslimische Sudanesen von der Regierung bewaffnet mit dem Auftrag, Menschen aus dem Süden zu töten und zu versklaven. «Auch ein Verwandter von mir wurde umgebracht», so der CSI-Projektmanager.

Mitte der 1990er Jahre begann CSI, mit Hilfe von sudanesischen Händlern die ersten Sklaven im Sudan zu befreien. «CSI war die einzige Organisation vor Ort, die sich für die Befreiung meiner Landsleute einsetzte und die Welt auf die fürchterlichen Versklavungen im Sudan aufmerksam machte», präzisiert Majok.

Der Sudan wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zum internationalen Thema. Drahtzieher Osama Bin Laden hatte jahrelang im Sudan gelebt, bevor er nach Afghanistan auswanderte. Um jedoch einen weiteren, teuren Krieg gegen ein Land zu vermeiden, setzte sich die internationale Gemeinschaft für ein Friedensabkommen zwischen dem Norden und dem Süden ein, das 2005 zustande kam. Dieses Abkommen bedeutete das Ende der Versklavungen und Zwangs­islamisierungen von Menschen aus dem Süden, jedoch nicht das Ende der Sklaverei im Sudan. Deshalb befreit CSI nach wie vor versklavte Menschen, um sie in den Südsudan zurückzubringen, der 2011 gegründet wurde. Eine Staatsgründung, die nach Auffassung von Franco Majok dank CSI möglich wurde.

«22 Jahre lang wurden wir getötet, weil wir keine Muslime sind», so Franco Majok. Viele ehemalige Sklaven und andere Südsudanesen, die einst Animisten waren, seien heute Christen. «In den letzten Jahren entstanden im Südsudan viele neue Kirchen», erklärt er. Majok befürchtet allerdings, dass sich die blutige Geschichte in seiner Heimat wiederholen könnte. Bereits habe es erste Angriffe von sudanesischen Islamisten im nördlichen Grenzgebiet des Südsudans gegeben.

Seine Familie hat Südsudanesen versklavt

Gleich nach Franco Majoks Schilderungen war der Sudanese Yassir Eric als Hauptreferent an der Reihe. Dem heute in Deutschland lebenden Leiter der christlichen Organisation «Communio Messianica» war von Kindesbeinen an eingetrichtert worden, gegen «ungläubige» Menschen aus dem damaligen Süden des Sudans vorzugehen. «Als Kind stand ich auf der Seite jener, die Menschen wie Franco Majok töteten. Ich war ein extremistischer Muslim und habe die Christen gehasst.»

Die Geschichte von Franco Majok berührte Yassir Eric persönlich, da sein Onkel einen südsudanesischen Sklaven hatte mit dem Namen Majok, der später ermordet wurde. Schliesslich wandte er sich direkt an Majok: «Ich will dir nur sagen, Franco, dass es mir leidtut, was meine Familie deinem Volk angetan hat.» Es sei ihm bewusst, dass sein tiefes Bedauern nicht viel bewirken könne. «Aber Jesus hat uns den Sieg gegeben. Er hat aus Feinden Freunde gemacht.»

Nach seinen ergreifenden Worten ging Yassir Eric direkt auf Franco Majok zu und umarmte ihn herzlich.

Reto Baliarda

«Unglaublich, wie sie sich versöhnen konnten»

«Unglaublich, wie sie sich versöhnen konnten»

Für Ursula Wolst aus dem süddeutschen Walzbachtal sind die verfolgten Christen seit Jahren ein Herzensanliegen. Sie hat die Beiträge von Franco Majok und Yassir Eric live miterlebt: «Ich fand es beeindruckend, wie Franco Majok erwähnte, dass CSI die einzige Organisation war, die damals in den Süden des Sudans kam und die Situation in der Welt bekannt gemacht hat. Es bewegt mich auch, wie CSI die Sklaven befreit. Ganz besonders war die Begegnung des ehemaligen Muslims Yassir Eric mit Franco Majok. Die Tatsache, dass Yassirs Onkel einen Sklaven aus dem Südsudan hatte, der auch Majok hiess, hat mich fast umgehauen. Es ist unglaublich toll, dass beide Seiten sich begegnen und versöhnen können.
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