«Wir spürten die Angst in den Herzen unserer beiden Töchter»

Die indische CSI-Partnerin Parul Singh (Name geändert) berichtet über ihr Leben als Christin in Indien. Sie betont auch, dass der Hindu-Nationalismus für die Minderheiten zu einer immer grösseren Bedrohung wird.

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Parul Singh macht sich Sorgen um die Christen in Indien, die zunehmend auch vom Staat verfolgt werden. Hier wurden christliche Frauen und Kinder wegen ihrer Aktivitäten verhaftet und von der Polizei stundenlang festgehalten. msn

Weil ich in einer christlichen Familie geboren wurde, gehöre ich in Indien zu einer Minderheit. Mir wurden Werte vermittelt wie die Nächstenliebe, das Gebet füreinander und das Eintreten für Gerechtigkeit. Mit dem Älterwerden begann ich, Glaube und Religion besser zu verstehen und auch zu vergleichen. Ich erschrak über die radikalen Hindu-Extremisten, welche die Christen hassen.

Ich kenne zwei grosse Herausforderungen. Erstens: Ich bin Christin. Unser Leiden aufgrund unseres Glaubens wird nicht gesehen. In vielen Gebieten des Landes herrscht keine wirkliche Religionsfreiheit. Zweitens: Ich lebe in einer Gesellschaft, in der es für Mädchen und Frauen keine Freiheit gibt.

Indien sieht sich als die grösste Demokratie der Welt. Aber unser Land hat in religiöser, politischer, sozialer und kultureller Hinsicht grosse Probleme. Wegen meines Glaubens wurde ich nicht zu allen Prüfungen zugelassen. Christen werden bestimmte Schulabschlüsse vorenthalten. In der Schule wurde ich oft gefragt, welcher fremden Religion ich angehöre.

Als ein Teil der indischen Gesellschaft sehe ich, wie es an Gleichberechtigung der Geschlechter mangelt. Das Kastensystem mit den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen übt nach wie vor einen starken Einfluss aus. Auch werden Arme von den Reichen diskriminiert.

Nur noch Hindus?

Seit die hindunationalistische Bharatiya Janata Partei (BJP) 2014 an die Macht kam, führen immer mehr Staaten das Antikonversionsgesetz ein, das sich gegen religiöse Minderheiten wie Christen richtet. Vor einigen Jahren verkündete ein Führer des Welt-Hindu-Rates, Indien solle zu 100 Prozent hinduistisch werden. Anführer der BJP wollen dieses Vorhaben in die Tat umsetzen. Meine Töchter haben häufig Angst und fragen: «Werden wir nun Jesus verlassen müssen? Was wird mit uns
geschehen? Wohin gehen wir?» Wir spürten die Angst in den Herzen unserer Töchter.

Ich begann, mich für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzusetzen. Genau in dieser Zeit im Jahre 2012 – für mich der Zeitplan Gottes – lernte ich die Menschenrechtsarbeit von CSI kennen. Seither arbeite ich mit CSI zusammen.

Wir helfen zum einen Christen, die wegen ihres Glaubens ausgegrenzt oder gar angegriffen werden. In vdiversen Landesteilen bauten wir Gebetsnetzwerke auf. Pastoren und Kirchenleiter, Frauen und Jugendliche treffen sich wöchentlich zum Austausch. Sie sprechen einander Ermutigung zu und beten füreinander. Pastoren, die mit Verfolgung konfrontiert sind, bieten wir sofortige Hilfe und Gebet an.

Als Kinder Gottes erachten wir es als unsere Pflicht, Menschen, die im Namen Jesu leiden, Liebe und Unterstützung zu zeigen. Mit diesen Gebetsnetzwerken erreichen wir auch Christen, die sich im Geheimen treffen müssen, weil öffentliche Gottesdienste in
ihren Dörfern verboten sind. So können wir sie ermutigen und sie in Fällen von Diskriminierung beraten.

Zudem durften wir bereits hunderte von Gefangenen des Menschenhandels, meist Kinder und Jugendliche, befreien und ihnen eine würdevolle Zukunft ermöglichen.

Ich bin ausserordentlich dankbar, dass wir mit CSI vielen Menschen in Not helfen und gleichzeitig ein Zeugnis von Gottes grosser Liebe sein dürfen.

Parul Singh (Name geändert), CSI-Partnerin aus Indien

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