Ein Kindergarten als Zeichen der Hoffnung in einer umkämpften Stadt

Obwohl die Terrormiliz IS Ende 2016 aus Bartella vertrieben wurde, schrecken viele geflüchtete Christen vor einer Rückkehr in die nordirakische Stadt zurück. Andere, die einen Neuanfang in ihrer Heimat gewagt haben, werden oft von schiitischen Muslimen bedrängt. Es gibt aber auch Hoffnungszeichen wie der wiedereröffnete christliche Kindergarten, der von CSI unterstützt wird.

Christliche Kindergarten-Kinder führen in der kurdischen Stadt Erbil einen Tanz auf. csi

Schwester Marie Joseph kann aufatmen: Der von ihr geleitete Kindergarten in Bartella in der Ninive-Ebene bleibt geöffnet. «Ich bin CSI und deren Spendern sehr dankbar», betont die Einheimische. Wenn sie über den Kindergarten spricht, leuchten ihre Augen. «Wir haben derzeit 78 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren und fünf Lehrkräfte.»

Projektleiterin besuchte Kindergarten

Wie die meisten Geschichten aus diesem Teil des Irak gliedert sich auch Schwester Marie Josephs jüngste Vergangenheit in drei Teile: vor der Invasion ihrer Stadt durch die Terrormiliz IS, während der Besetzung und nach der Befreiung durch die irakische Armee.

«Ich habe 2013 im Kindergarten angefangen», erzählt die Schwester, die zur Kongregation der Dominikanerinnen der Heiligen Katharina von Siena gehört. Wenige Monate später, im August 2014, übernahm der sogenannte Islamische Staat die Stadt Bartella. Über Nacht wurde die Stadt entvölkert.

Auch die Dominikanerinnen flohen und fanden Zuflucht im Lager von Nishtiman, das in den beiden oberen Stockwerken eines Einkaufszentrums der irakisch-kurdischen Stadt Erbil eingerichtet wurde. «Wir waren fast vier Jahre lang weg und haben in dieser Zeit im Lager einen Kindergarten für die vertriebenen Kinder eröffnet», erinnert sich Schwester Marie Joseph.

CSI besuchte das Lager mehrmals, und ich selbst werde die Freude und den Stolz der Kindergartenkinder nie vergessen, als sie uns ein paar Tänze und Lieder vorführten.

Ende 2016 wurde die Terrormiliz IS aus Bartella vertrieben. Es dauerte jedoch lange, bis die ersten Einwohner zurückkehrten. Viele zogen es vor, in den Lagern oder in anderen vorübergehenden Unterkünften zu bleiben, anstatt in ihre zerstörte Stadt zurückzukehren. «Unser Kloster, unsere Schule und unser Waisenhaus wurden beschädigt», berichtet Schwester Marie Joseph. «Wir konnten sie 2018 instandsetzen und sind seit 2021 wieder in Bartella.»

«Ich werde niemals zurückkehren»

Bis heute sind nur etwa 45 Prozent der Christen zurückgekehrt, die im August 2014 aus Bartella flohen. Dies berichtet das «Nineveh Reconstruction Committee», eine lokale Organisation, die unter anderem die Rückkehrraten in der Region aufzeichnet.

Bei meinem letzten Besuch im Lager von Nishtiman im Dezember 2019 schilderte ein Vater die Gründe für die tiefe Rückkehr-Rate: «Mein Haus wurde vom IS beschädigt. Ja, ich könnte wieder in meiner Heimat leben, aber es gibt noch so viel Unsicherheit in Bartella. Ich möchte nicht, dass meine Tochter in einem solchen Umfeld aufwächst», erklärte er sorgenvoll. «Ich liebe meine Stadt, aber ich werde niemals zurückkehren.»

Unter dem Druck der Schabaken

Bartella ist nach der Zerschlagung des IS für seine interkommunalen Spannungen und den damit verbundenen demografischen Wandel berüchtigt geworden. «Vor dem Iran-Irak-Krieg in den späten 1970er Jahren gab es in Bartella nur zwei muslimische Familien», erzählt uns Pater Behnam Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, der aus Bartella stammt.

Dies änderte sich jedoch in den 1990er Jahren und insbesondere nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003. «Bartella ist historisch gesehen christlich», sagt William Warda von der CSI-Partnerorganisation Hammurabi. «Aber die umliegenden Dörfer sind alle schabakisch». Die Schabaken sind eine ethnisch-religiöse Minderheit, die hauptsächlich dem schiitischen Islam folgt. «Die Schabaken aus Mossul wurden von der islamistischen Terrormiliz al-Qaida vertrieben und haben in Bartella Zuflucht gefunden.» Auch zogen viele Schabaken wegen der Arbeit vom Land in die Stadt.

Nach der Besetzung durch den IS, der es sowohl auf Christen als auch auf Schiiten abgesehen hatte, kehrten die meisten schabakischen Familien nach Bartella zurück. Eine lokale Schabak-Miliz stationierte eine Truppe in der Stadt.

Dies trug zu einem Klima der Angst für die sich nun in der Minderheit befindenden Christen bei. Viele verzichten daher auf eine Rückkehr nach Bartella, was den demografischen Wandel noch verstärkt. Auch wenn sich die Lage in letzter Zeit verbessert hat, sind die Spannungen noch immer spürbar und ein kleiner Funke könnte für eine Eskalation genügen.

Dankbar für die Hilfe

In dieser angespannten Zeit ist der christliche Kindergarten der Dominikanerinnen ein wichtiges Zeichen der Hoffnung für die bedrohten Christen in Bartella. CSI ist es ein Anliegen, dass die zurückgekehrten Christen sich in ihrer Heimatstadt wieder zuhause fühlen können. Deshalb unterstützen wir den Kindergarten, in dem die Löhne des Personals mitfinanziert und die Schulbus-Transportkosten übernommen werden. Ausserdem kommt CSI für das Schulmaterial der rund 80 Kinder auf und trägt die Betriebskosten des Kindergartens mit.

Für dieses Engagement spricht William Warda seinen Dank aus. «Die Unterstützung dieses Kindergartens ist wichtig. Dies kann die Christen dazu ermutigen, in Bartella zu bleiben.» Dem fügt Schwester Marie Joseph hinzu: «Ich bin äusserst dankbar. Dies ist das Land unseres Volkes, unserer Vorfahren. Es ist seit dem ersten Jahrhundert nach Christus ein christliches Gebiet. Es ist wichtig für uns, dass wir bleiben können.» Aus dieser Überzeugung heraus hat sie sich entschieden, für den Kindergarten Verantwortung zu übernehmen.

Projektleiterin Naher und Mittlerer Osten

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