Hilfe unter Lebensgefahr für vertriebene Christen

Im Schatten der internationalen Schlagzeilen bleibt die Lage in Myanmar angespannt. Die Karen-Christen im von CSI unterstützten Binnenflüchtlingslager bangen wegen der Angriffe des Militärs immer wieder um ihr Leben. CSI-Partnerin Kakreh Moo ist bei den Hilfslieferungen ins Vertriebenenlager grossen Gefahren ausgesetzt. Doch die Dankbarkeit der Menschen motiviert sie, dranzubleiben.

Auch Kinder und Jugendliche müssen wegen der Angriffe immer wieder aus dem Lager flüchten.

Seit über zwei Jahren unterstützt CSI in Myanmar ein Lager mit mehr als 500 vertriebenen Christen. Das Lager befindet sich im Dschungel an der Grenze zu Thailand. CSI-Partnerin Kakreh Moo (Name geändert), die mit ihrer Familie in Thailand lebt, verteilt regelmässig Hilfsgüter an die leidenden Menschen.

Misstrauische thailändische Armee

Sie tut dies im Bewusstsein, dass ein Besuch im Lager stets mit Risiken verbunden ist. Bei jeder Fahrt zum Lager wird ihr Auto an den Checkpoints von der thailändischen Armee strengstens kontrolliert. «Die Armeeangehörigen wollen genau wissen, was wir für die Geflüchteten mitbringen und was wir aus dem Lager mitnehmen. Sie sind gar nicht erfreut, dass wir das Binnenflüchtlingslager unterstützen. Doch dank Gottes gütiger Hilfe liessen sie uns bisher immer durch», erzählt Kakreh Moo.

Die Vertriebenen mit den Hilfsgütern zu erreichen kommt einem Husarenritt gleich, bei dem Improvisationskünste gefragt sind. Denn immer wieder müssen die Menschen wegen militärischer Angriffe aus dem Lager fliehen und sich im Wald verstecken.

Die Nahrungsmittelsäcke liegen für die Verteilung bereit. csi
Die Nahrungsmittelsäcke liegen für die Verteilung bereit. csi

Nahrungsmittelverteilung unter Helikopter-Beschuss

Beim letzten Besuch der CSI-Partnerin Anfang Juli 2022 hielten sich die christlichen Flüchtlinge weit vom Lager entfernt auf, da Militärhelikopter oberhalb ihrer üblichen Verstecke kreisten. Die Angreifer nahmen Ziele rund ums Binnenflüchtlingslager ins Visier und warfen von ihren Hubschraubern Sprengsätze ab. Sechs Kämpfer von aufständischen Milizen, die die Karen-Christen unterstützen, wurden dabei getötet. «Wir müssen trotzdem dankbar sein, dass keiner der von uns unterstützten Binnenvertriebenen verletzt wurde», berichtet Kakreh Moo. Doch der Schrecken sass bei den attackierten Karen-Christen tief.

Inmitten dieser lebensgefährlichen Militäraktion verteilte Kakreh Moo zusammen mit ihrem Mann und ihrem Team Reissäcke an die Vertriebenen: «Ich sah die Militärhubschrauber und sagte den Bewohnern hastig, dass wir die Nahrungsmittel schnell und in einem Versteck verteilen müssen. Während ich sprach, hörte ich das Geräusch von zwei weiteren Hubschraubern, die sich schnell bewegten.»

Kakreh Moo zog die Verteilaktion hastig durch und eilte mit ihren Helfern zum Boot zurück, um wieder sicher auf die thailändische Seite des Grenzflusses zu gelangen. «Kaum waren wir drüben, hörten wie mehrere Explosionen. Wir sahen Menschen auf einem Boot mit einer weissen Flagge und mussten annehmen, dass es Verletzte waren.»

«Sie haben uns vor dem Hunger bewahrt»

Woher holt sich Kakreh Moo die Motivation, unter diesen Gefahren den bedürftigen und häufig ums Überleben kämpfenden Karen-Christen im Binnenflüchtlingslager zu helfen? Es sei nicht zuletzt die grosse Freude und Dankbarkeit der Menschen, erklärt sie. Einer dieser dankbaren Hilfsempfänger ist Saw Way Thaw Heh: «Vielen Dank an CSI für die Nahrungsmittelhilfe. Wir sind in Schwierigkeiten und fühlen uns überhaupt nicht mehr sicher. Doch dank Ihrer Hilfe können wir überleben. Wir sind gesegnet. Sie haben uns vor dem Hunger bewahrt.»

Auch Naw Reeya dankt CSI herzlich: «Ich habe eine Tochter mit Behinderungen. Jedes Mal, wenn wir in den Wald fliehen, muss ich sie tragen. Sie weint immer, wenn sie der Hunger plagt. Wir sind deshalb so dankbar für Ihre Unterstützung.»

Seit der brutalen Machtübernahme des Militärs haben CSI-Partnerin Kakreh Moo und ihr Team mehrere Hilfslieferungen für die bedürftigen Karen-Christen im Binnenflüchtlingslager geleistet. Im Wesentlichen wurden Nahrungsmittel. Medikamente und Kochutensilien verteilt. Es sind weitere Hilfsaktionen vorgesehen.

Reto Baliarda

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