Opfer von Blasphemievorwürfen bleibt weiterhin in Gewahrsam

Die christliche Krankenschwester Rhoda Jatau wird weiterhin nicht freigelassen. Der Oberste Gerichtshof des nordnigerianischen Bundesstaates Bauchi lehnte am 27. November 2023 ihren Antrag auf Einstellung des Verfahrens ab und gab der Staatsanwaltschaft Recht. Rhodas Verteidigung muss nun ihre Unschuld darlegen. Die nächste gerichtliche Anhörung soll am 19. Dezember 2023 stattfinden.

Rhoda Jatau ist enttäuscht über den Entscheid des Obersten Gerichtes

Rhoda Jatau wurde wegen Anstiftung zur öffentlichen Unruhe, «Verachtung des religiösen Bekenntnisses (Blasphemie)» und Cyber-Stalking angeklagt. Vergeblich haben ihre Anwälte gehofft, dass sämtliche Anklagen gegen ihre Mandantin bei der Gerichtsanhörung vom 27. November 2023 fallengelassen werden. Stattdessen gab der Oberste Gerichtshof von Bauchi der Anklage Recht. Rhodas Anwaltsteam muss nun den Fall für die Verteidigung darlegen.

CSI-Partner Solomon Mwantiri, ein Menschenrechtsanwalt und Mitglied von Rhodas Verteidigung, ist über das Gerichtsurteil «sehr enttäuscht». Der nächste Gerichtstermin ist auf den 19. Dezember 2023 angesetzt.

Umstrittene Verhaftung

Rhoda Jataus Verhaftung erfolgte aufgrund eines Videos, das sie mit Kollegen geteilt haben soll. Darin hatte sie den Lynchmord an die christliche Studentin Deborah Samuel Yakubu verurteilt. Seit ihrer Festnahme im Mai 2022 befindet sich Rhoda in Gewahrsam. Ihre Familie ist aus Sicherheitsgründen untergetaucht.

UN-Experten äusserten sich besorgt über Rhodas Festnahme und Inhaftierung. Sie habe lediglich friedlich von ihrer Meinungs- und Religionsfreiheit Gebrauch gemacht. Sie wiesen auch darauf hin, dass der beschuldigten Christin wiederholt keine Kaution gewährt wurde und sie seit ihrer Verhaftung nur sporadisch Zugang zu einem Rechtsbeistand hatte.

Verzögerte Justiz und Repression gegen Christen

Im nördlichen Nigeria ist Blasphemie ein Kapitalverbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Diese Gesetzgebung richtet sich hauptsächlich gegen nigerianische Christen. Rhodas Fall wurde mehrfach verzögert. Menschenrechtsaktivisten sehen darin eine Taktik, um ihr Gerechtigkeit zu verweigern und sie in Haft zu halten. Es wird gesagt, dass die Staatsanwaltschaft keine überzeugenden Beweise hat.

Ein ähnlicher Fall passierte mit Luka Binniyat, einem christlichen Journalisten aus dem zentralen Bundesstaat Kaduna. Er wurde am 9. November 2021 wegen Cyberstalking angeklagt. Dieser Fall hatte auch viele Verzögerungen und Aufschübe. Dank der internationalen Medienaufmerksamkeit wurde Binniyat am 3. Februar 2022 aus dem Gefängnis entlassen.

Morven McLean

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