Pakistan: Mangelhafte Ermittlungen nach Angriff auf Christen

Den 16. August 2023 werden die Christen der pakistanischen Stadt Jaranwala nicht mehr vergessen. Der aufgebrachte Mob zog durch die christlichen Quartiere, zündete Häuser und Kirchen an und vertrieb die Bewohner. Jetzt zeigt sich, dass die Ermittlungen gegen die Täterschaft nur schleppend vorangehen und auch christliche Leiter bei der Sicherstellung von Beweisen nachlässig sind. Nun hat sich ein neues Aktionskomitee gebildet, das für Gerechtigkeit sorgen will.

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Blick in ein verkohltes Kirchengebäude in Jaranwala, nach dem Angriff im August 2023. msn

 

Am 16. August 2023 wurden in Faisalabad, einem Distrikt der pakistanischen Provinz Punjab, zahlreiche Kirchen, Wohnhäuser und Geschäfte von Christen durch Muslime geplündert und zerstört. Auslöser für diesen Angriff war die Beschuldigung, zwei Christen hätten Seiten aus dem Koran entweiht und blasphemische Kommentare gegen den Islam geschrieben. Obwohl mehrere Tatverdächtige identifiziert werden konnten und klare Beweise gegen sie vorlagen, wurden die meisten wieder auf Kaution freigelassen oder aus den Verfahren entlassen.

Die Opfer des Angriffs und Anwälte aus der Umgebung sind enttäuscht von den unvollständigen Ermittlungen der Polizei und dem unzureichenden Einsatz für Gerechtigkeit einzelner Kirchenleiter.

Nachlässigkeit von Beamten

«Die Regierung des Punjab hat zehn gemeinsame Ermittlungsteams gebildet, um die Vorfälle vom 16. August zu untersuchen. Aber die Zahl der Verdächtigen, die auf Kaution freigelassen wurden, hat das nicht vorhandene Engagement der Polizei entlarvt», sagte Shakeel Bhatti, ein ehemaliger Stadtrat von Jaranwala.

Neben Bhatti haben 16 weitere christliche Beschwerdeführer versucht, gegen die muslimischen Plünderer und Brandstifter vorzugehen. «Obwohl 600 bis 800 der Verdächtigen bereits vor dem Mob in über 20 Terrorismusfälle verwickelt gewesen sind, wurden nur 283 von ihnen festgenommen», sagte Bhatti.

Akmal Bhatti, ein Rechtsanwalt aus Faisalabad, wies daraufhin, dass es vom Mob im August Hunderte von Videoaufnahmen gebe, auf denen die Gesichter der Angreifer gut zu erkennen seien. Doch die Polizei habe keine Gesichtserkennungstechnologie eingesetzt, um die Anwesenheit der Täter an den Tatorten eindeutig zu identifizieren.

Die Kläger und Zeugen wurden von der Polizei teilweise so stark eingeschüchtert, dass einige nicht mehr den Mut hatten, vor Gericht auszusagen. «Die Ermittlungsbeamten haben uns die offiziellen Akten erst zur Verfügung gestellt, als sie im Gerichtssaal vorgelegt wurden», informierte Nadeem Hassan, ein weiterer lokaler Rechtsanwalt.

Verteidigung der Polizei

Der Polizeisprecher von Faisalabad, Shahid Malik, bestritt, dass die Ermittlungen gegen die Täter mangelhaft seien. Dass die Verdächtigen von den Gerichten ein Recht auf Kaution erhalten hätten, habe mit der Polizei nichts zu tun. «Die Polizei hat bisher 357 Verdächtige verhaftet und in Untersuchungshaft genommen», sagte Malik. «Razzien werden durchgeführt, um die übrigen Verdächtigen festzunehmen, sobald wir Informationen über sie erhalten.»

Weiteres Vorgehen

Zwei Tage nach den Anschlägen in Jaranwala bildete der katholische Erzbischof der Diözese Faisalabad, Inderias Rehmat, ein gemeinsames Aktionskomitee (Joint Action Committee, JAC), das die Ermittlungen weiterverfolgen soll. An einer Sitzung am 4. Januar beschloss die JAC, ein neues Anwaltsteam vor Ort zu beauftragen, sich den Fällen aus dem August vor dem Anti-Terror-Gericht anzunehmen. Ein weiteres Team aus christlichen Anwälten wird die Fälle vor dem Obersten Gerichtshof in Lahore untersuchen.

In einem offenen Brief an den geschäftsführenden Premierminister Anwaar Ul Haq Kakar im Oktober hatte die Nationale Menschenrechtskommission die Regierung aufgerufen, die Anschläge von Jaranwala gründlich zu untersuchen und dabei die neueste Technologie, einschliesslich Geofencing und Überwachungskameras, einzusetzen.

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