25. August 2021

Pastor zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt

Der evangelische Pastor Rachid Seighir aus der westalgerischen Küstenstadt Oran erlebt schwere Zeiten. Am 2. Juni 2021 wurde seine Kirche geschlossen. Vier Tage später wurde er wegen «Schwächung des muslimischen Glaubens» zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Unterstützen Sie unsere Protestaktion.

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Die Oratoire-Kirche von Pastor Seighir ist eine von drei Kirchgebäuden in der Provinz Oran, bei denen am 2. Juni 2021 die Schliessung angeordnet wurde. Die anderen beiden betroffenen Kirchen befinden sich in El-Ayaid und Ain-Turk.

Milderes Urteil

Doch die Schliessung seiner Kirche war nicht das einzige Schicksal, das den engagierten Pastor ereilte. Denn bereits vier Tage später erfolgte der nächste Dämpfer: Seighir, der in Oran auch einen Buchladen besitzt, wurde zusammen mit seinem Angestellten Nouh Hamimi zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von umgerechnet 1400 Franken verurteilt. Dies wegen «Verbreitung von Publikationen und Propaganda, die den Glauben eines Muslims untergräbt.»

Das Urteil, das im Berufungsverfahren beschlossen wurde, fiel zwar milder aus als die ursprüngliche Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 3600 Franken, die am 27. Februar 2021 gegen die beiden ausgesprochen worden war. Dennoch betonte Farid Khemisti, der Anwalt der beiden Christen, dass sie diese Strafe nicht akzeptieren wollen und falls nötig beim Obersten Gerichtshof Berufung einlegen würden.

Jahrelanger Konflikt

Für Pastor Seighir ist klar, dass die Verurteilung vom 6. Juni 2021 eine Vergeltungsmassnahme in einem Konflikt um den Bücherladen ist, der bis 2008 zurückreicht. Damals wurde er wegen der gleichen Anschuldigungen verurteilt und in der Berufung freigesprochen. 2017 ordnete der Gouverneur von Oran die Schliessung der Buchhandlung an. Doch im April 2018 entschied ein Gericht, dass diese Anweisung aufgrund von Verfahrensfehlern ungültig sei. Trotzdem verhinderten die zuständigen Behörden die Wiedereröffnung der Buchhandlung.

Auch die Schliessung von Seighirs Oratoire-Kirche hat eine längere Vorgeschichte. Am 28. Dezember 2017 teilte der damalige Gouverneur der Provinz Oran mit, dass der Betrieb der Kirche «nicht mit den geltenden Gesetzen übereinstimmt.» Gemeint ist hiermit ein Gesetz aus dem Jahr 2006, wonach nicht-muslimische Gotteshäuser lizenziert werden müssen. Doch bis heute ist die algerische Regierung auf keinen einzigen Antrag zur Lizenzierung durch nicht-muslimische Glaubensgemeinschaften eingegangen.

Dieser Missstand führt dazu, dass in Algerien laufend Kirchen per Regierungsbeschluss geschlossen werden. Pastor Rachid Seighir, der nun ebenso direkt betroffen ist, versteht die Welt nicht mehr. «Das ist ein reiner Angriff gegen uns algerische Christen und die Kirchen.»

Reto Baliarda

Quelle: msn

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Ambassade d’ Algérie en Suisse
Willadingweg 74
3006 Bern

Sehr geehrter Herr Botschafter

Wir sind besorgt darüber, dass Christen in Algerien durch staatliche Interventionen zunehmend an den Rand gedrängt werden. Jüngstes Beispiel sind die Schicksale von Pastor Rachid Seighir und dem Angestellten seiner vor drei Jahren geschlossenen Buchhandlung, Nouh Hamimi. Beide hatten lediglich ihr Recht auf Religionsfreiheit wahrgenommen, wurden nun aber in zweiter Instanz wegen «Erschütterung des muslimischen Glaubens» zu einem bedingten Freiheitsentzug und einer Geldstrafe verurteilt.

Kommt dazu, dass die evangelische Oratoire-Kirche von Pastor Rachid in Oran geschlossen wurde. Sie ist eine von dutzenden Kirchen, die seit November 2017 versiegelt wurden, weil sie nicht dem geltenden Gesetz 03/06 entsprechen sollen, wonach nicht-muslimische Gotteshäuser registriert werden müssen. Wie aber soll eine Registrierung möglich sein, wenn die algerische Regierung keinen Antrag von nicht-muslimischen Glaubensgemeinschaften behandelt?

Wir bitten Sie, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, damit Rachid Seighir und Nouh Hamimi freigesprochen werden. Ebenso bitten wir Sie, zusammen mit der algerischen Regierung eine Lösung für die Registrierung von nicht-muslimischen Gebetshäusern zu finden, dies einhergehend mit der Öffnung der geschlossenen Kirchen in Algerien.
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Gerhard Aumayer
06. November 2021
Religionsfreiheit muss auf der ganzen Welt möglich werden!
Thomas Dennert
08. November 2021
Gut, weiter machen und Dran bleiben!