Im Zug in die Sklaverei entführt

Islamistische Kämpfer lockten Bol Ken Arol mit Datteln zu sich und zerrten ihn in einen Zug, der in den Sudan fuhr. Über 30 Jahre lang verbrachte Bol in der Sklaverei und musste schwere Misshandlungen über sich ergehen lassen. Die Nachricht über einen Befreier ermutigte ihn, zu fliehen.

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Bol war zwölfjährig, als er seine Verwandten besuchen wollte. Diese lebten im Dorf Wundhom, wo es einen Bahnhof gibt. Die Eisenbahn faszinierte Bol. Deshalb schaute er vor dem Besuch am Bahnhof vorbei, als er dort einen Zug anhalten sah, der von der südsudanesischen Stadt Wau in den Norden Sudans fuhr.

In die Falle gelockt

Im Zug sassen Sklavenjäger aus dem Sudan, die den Jungen beobachteten und ihn schliesslich ansprachen. «Sie boten mir Datteln an, die ich sehr mochte», erinnert sich Bol. Nichts Böses ahnend kam er der Einladung der Kämpfer nach, sich zu ihnen zu gesellen. «Da packte mich einer und zerrte mich in den Wagen.» So wurde Bol zusammen mit 70 anderen südsudanesischen Knaben, die sich bereits in den Waggons befanden, im Zug in Richtung Sudan entführt.

Als der Zug im sudanesischen Dorf Marien anhielt, wurden Bol und die anderen Jungen hinausbugsiert und einem der muslimischen Gebieter übergeben, die am Bahnsteig auf ihren neuen Sklaven warteten.

Bol selbst musste mit dem Bauern Ismail gehen und fortan seine Kühe weiden. Während der Regenzeit musste Bol auf dem Hof von Ismail arbeiten.  Als wieder einmal eine Regenzeit bevorstand, wollte sich Bol weigern, seinem Gebieter zu dessen Bauernhof zu folgen. «Da stach Ismail mit einem Messer in mein Bein. Ich weinte vor Schmerzen und wagte es von diesem Tag an nicht mehr, mich seinen Befehlen zu widersetzen», erklärt er.

Auf «Bol» zu hören gab Prügel

Bol wurde von seinem Gebieter auch misshandelt, wenn er mit anderen Sklaven aus dem Süden sprechen wollte. Es genügte schon, wenn der zum Islam gezwungene Junge auf seinen Namen «Bol» reagierte, statt nur auf seinen muslimischen Namen «Adhaula» zu hören. «Selbst in diesem Fall schlug mich mein Gebieter», erinnert er sich.

Als die Nachricht in seinem Dorf die Runde machte, dass sich ein von CSI beauftragter arabischer Sklavenbefreier in der Nähe aufhielt, fasste sich Bol ein Herz und floh in der Nacht vom 15. September 2021, als alle anderen schliefen. Der Befreier brachte Bol in sein Lager, wo bereits andere befreite Sklaven auf die Rückkehr in den Südsudan warteten. Am nächsten Abend machte sich die Gruppe auf den Weg in ihre Heimat. Um nicht von sudanesischen Kämpfern entdeckt zu werden, marschierte die Gruppe jeweils nachts und versteckte sich tagsüber in den Wäldern, bis sie im Südsudan ankam. Bol dankt Gott, dass er ihn aus der Sklaverei befreit hat, und freut sich auf sein neues, freies Leben in seiner Heimat.

Reto Baliarda

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Bol Ken Arol wurde mit dem Zug entführt und versklavt. Nun geniesst er sein neues Leben in Freiheit. csi
Bol Ken Arol wurde mit dem Zug entführt und versklavt. Nun geniesst er sein neues Leben in Freiheit. csi
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