Ermutigt in Zeiten der Not

Schon vor der Covid-19-Pandemie erlebten tausende von Christen Angriffe, Diskriminierung und ungerechtfertigte Inhaftierungen. Nun kam durch den landesweiten Lockdown die finanzielle Not hinzu. Pastoren sind davon besonders betroffen. Dank Pastorennetzwerken, Rechtszentren und neuen Selbsthilfegruppen werden Betroffene unterstützt und gestärkt.

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«Als ich eines Tages während des Lockdowns vor meiner geschlossenen Kirche stand, wurde ich plötzlich von Angehörigen einer extremistischen Hindugruppe angegriffen und schwer verletzt. Gleichzeitig zerstörten sie das Kirchengebäude fast vollständig», berichtet einer der betroffenen Pastoren. «Ich war Gott so dankbar, dass sie mich nicht getötet hatten. Als ich auf der Polizeiwache eine Anzeige erstatten wollte, weigerte sich die Polizei, diese aufzunehmen.»

Füreinander da sein

Bereits vor der Pandemie haben CSI-Partner in sechs von Angriffen besonders betroffenen Regionen angefangen, Pastorennetzwerke aufzubauen. Mittlerweile kommen über 200 Pastoren in den jeweiligen Gruppen zusammen. Sie lernen, wie sie sich und ihre Mitglieder schützen und wo sie Hilfe anfordern können.

Ein teilnehmender Pastor ist vom Netzwerk überzeugt: «Das Wertvollste ist für mich, dass wir füreinander im Gebet einstehen und uns in Zeiten der Not gegenseitig unterstützen. Das verleiht mir Kraft und Mut, auch wenn die Umstände bedrohlich sind.»

Da diese Gruppen bereits vor der Pandemie entstanden sind, konnten sich die Pastoren trotz des Lockdowns per Zoom regelmässig treffen und über ihre Herausforderungen austauschen. «Diese Treffen waren enorm wertvoll, denn die Angriffe auf uns und unsere Gemeindemitglieder liefen trotz der Ausgangssperren weiter. Nur wurden die Vorfälle während diesen Zeiten des Ausnahmezustandes selten registriert, was uns ohnehin schon benachteiligte Minderheiten zusätzlich belastet», erzählt der Pastor weiter.

Corona verschlimmert Lage der Pastoren

Durch den Wegfall der Gottesdienste erhalten unzählige Pastoren seit Monaten kein Einkommen mehr. Für die meisten von ihnen waren die Spenden während der Sonntagsgottesdienste die einzige Einnahmequelle, von der sie und ihre Familien lebten. Hinzu kommt, dass mittlerweile viele der Gemeindemitglieder selbst ums Überleben kämpfen müssen und somit nicht fähig sind, die Pastorenfamilien zu unterstützen. Dies macht die Pastoren noch schutzloser und anfälliger für Angriffe und Ausbeutung.

Der finanziellen Not Abhilfe leisten

Um auf die finanzielle Not zu reagieren, wurden in den letzten Wochen seit der Lockerung des Lockdowns (ab September 2020) über 70 Christen geschult. Zum einen lernten sie, wie sie Mobiltelefone reparieren können. Dieser Service wird genutzt. Indien rege Anderseits wurden sie angeleitet, wie sie günstig Seife, Waschmittel oder Phenol (zur Reinigung von Böden) herstellen können, was in dieser Zeit der Pandemie besonders viel gebraucht wird.

Eine der Teilnehmerinnen war Sumitra (Name geändert). Vor zwei Jahren verlor sie ihren Mann, Pastor einer Gemeinde. Sie blieb mit zwei kleinen Kindern zurück. Mutig übernahm sie die Leitung der Gemeinde. Doch kurz darauf musste sie die Kirche wegen der Pandemie schliessen. «Ich war verzweifelt und wusste nicht, wie weiter. Ich bin Gott dankbar, dass er in meiner Not meine Gebete erhört hat. Dank der Schulung kann ich jetzt meine Kinder ernähren und meinen Dienst in der Gemeinde fortführen. Dafür danke ich den Spendern.»

Zusätzlich haben sich mittlerweile in verschiedenen Gemeinden «Selbsthilfegruppen» gebildet, die sich regelmässig treffen und von einer Fachperson geleitet werden. Die Gruppen dienen dazu, um über die Herausforderungen auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. Zudem sammeln die TeilnehmerInnen bei jedem Treffen minimale Beiträge. Damit können sie sich Stoff zum Nähen besorgen oder auch Pilze kultivieren und ihre Produkte auf dem Markt verkaufen.

Rechtsbeihilfe und Begleitung nach Angriffen

Die CSI-Partner betreiben ferner in verschiedenen Staaten auch Rechtszentren. Dort arbeiten einerseits Anwälte, die sich um die dringend benötigte Rechtshilfe von Betroffenen kümmern. Besonders in ländlichen Gebieten getrauen sich die Betroffenen oft nicht, eine Anzeige zu erstatten, aus Angst vor weiteren Angriffen.

Anderseits sind auch Sozialarbeitende vor Ort, die den Betroffenen praktisch zur Seite stehen. Zum Beispiel, wenn ein Mann ungerechtfertigt inhaftiert wird und die Mutter mit ihren Kindern für längere Zeit ohne den Ernährer auskommen muss. Auch wenn jemand schwer verletzt wird, sind die Familien oft mit der Situation überfordert. Sie werden vom Spital manchmal abgewiesen, weil sie keine Hindus sind. Da ist es wichtig, dass jemand den Betroffenen mit Rat und psychologischer Hilfe professionell zur Seite steht.

Mögen wir unsere Partner ermutigen, damit sie sich weiterhin mutig für verfolgte Christen und andere Minderheiten einsetzen.

Projektleiterin Indien

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