Identität der bedrängten Christen in West-Papua stärken

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Doch die Provinz West-Papua wird mehrheitlich von Christen bewohnt. Wegen der zunehmenden religiösen Bedrängnis ist CSI neu in West-Papua aktiv, um die einheimischen Christen zu fördern.

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Trotz gelegentlichem Aufflammen von Spannungen verlief das Zusammenleben der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften in Indonesien – zu denen auch das Christentum gehört – bisher weitgehend friedlich. Am CSI-Tag 2019 berichtete Ex-Stiftungsratspräsident Herbert Meier zugleich über die zunehmende streng orthodoxe Auslegung des Islams in Indonesien.

Christliche Mehrheit schrumpft

Die jüngste Geschichte ihrer Heimat ist für die Christen in West Papua bedrückend. Nach der Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens durch die Niederlande 1949 blieb West-Papua zunächst eine holländische Kolonie. 1962 wurde West-Papua an Indonesien übergeben. Dies unter der Vereinbarung, spätestens nach sieben Jahren ein Referendum durchzuführen, bei dem sich die Bevölkerung auch gegen einen Anschluss an Indonesien entscheiden könnte. Doch dieses Recht bleibt den West-Papuas bis heute verwehrt.

Bis 1962 war die östlichste Provinz Indonesiens hauptsächlich von christlichen Papua-Urbewohnern besiedelt. Heute leben rund 2,9 Millionen Menschen in West-Papua. Davon sind nur noch etwa 55% Ureinwohner. Der Rest der Bevölkerung ist aus anderen Landesteilen Indonesiens zugewandert.

In den letzten Jahrzehnten hat die indonesische Regierung systematisch die Ansiedlung von Nicht-Papuas in West-Papua vorangetrieben, um die Bevölkerungsstruktur zu verändern und Papua-Ureinwohner zur Minderheit zu machen. Das Land, das den zugewanderten Muslimen kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, wurde den Papua oft ohne angemessene Entschädigung weggenommen. Tausende Papuas fielen dabei Gewalt und Repressalien zum Opfer. Vertreibung, willkürliche Verhaftungen, Folter in den Gefängnissen und unfaire Gerichtsverfahren sind bis heute an der Tagesordnung.

Folgen für die Umwelt

Die gegenwärtige Entwicklung ist nicht nur für die traditionelle Lebensweise, sondern auch für die Umwelt zerstörerisch. Denn in West-Papua befinden sich die grössten Kupfer- und Goldminen der Welt, deren Abbau eine grosse Schneise der Verwüstung hinterlässt.

Auch der einzige in Asien noch intakte Regenwald wird Hektar um Hektar abgeholzt, um Palmöl-Plantagen Platz zu machen. Multinationale Unternehmen erzielen Gewinne, die auch der indonesischen Regierung zugutekommen. Währenddessen leidet die indigene Bevölkerung unter Landraub, Umweltzerstörung und militärischen Operationen. Die einheimischen Papua müssen mitansehen, wie ihre Lebensgrundlagen zunichte gemacht werden.

«Wir werden nicht weichen»

Das Christentum erreichte West-Papua 1855 durch holländische und deutsche Missionare. Bis in die 1960er Jahre war es die einzige monotheistische Religion in West-Papua. Der christliche Glaube spielte bei der Stärkung der Papuas eine wichtige Rolle. Er half ihnen, ihre Identität zu bewahren und sich mutig den Herausforderungen der Modernisierung zu stellen.

Eine der führenden Kirchen in der Menschenrechtsarbeit ist die evangelische KINGMI-Kirche, die vor allem im Hochland West Papuas tätig ist. Sie ist die zweitgrösste Kirche in West-Papua mit rund 600’000 Mitgliedern und Teil der «Pacific Conference of Churches».

Menschenrechtsaktivist Benny Giay, der Vorsitzende dieser Kirche, hat schon früh verstanden, dass die Einheimischen ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssen, anstatt auf Hilfe von aussen zu warten.

Seit 2006 steht das pastorale Programm dieser Kirche unter dem Motto «Berubah Supaya Lebih Kuat» (sich von innen heraus verwandeln, um stärker zu werden). Dabei werden Glaube, Bildung, Menschenrechte und das Umweltbewusstsein gefördert.

Bei ihrem Engagement für die Rechte der Papuas legt die KINGMI-Kirche grossen Wert auf friedliche Verhandlungen. Die Erfahrung hat sie gelehrt, dass die gewaltsame staatliche Repression zunimmt, wenn sie ihren Mitgliedern gewalttätigen Widerstand gewährt.

CSI-Workshops: Menschen-
rechte im Mittelpunkt

Zusammen mit Benny Giay hat CSI ein Programm entwickelt, um die christlichen Papuas zu fördern. Im November 2020 wurden zwei Workshops für 50 Menschen aus verschiedenen Distrikten durchgeführt. Der Fokus wurde dabei auf Menschenrechtsverletzung, Armut und die Rolle der Kirche in Menschenrechtsfragen gelegt. Ein wichtiges Thema für die Teilnehmenden war auch das Recht auf Land und die Problematik der Abholzung. Weitere Workshops sind geplant.

Ermutigende Stimmen der Workshop-Teilnehmenden

CSI unterstützt zudem den Aufbau einer Anlaufstelle für Pastoren und andere Kirchenmitarbeitende, die die Workshops besuchen. Frediel Pigay, mitverantwortlich für dieses Sekretariat, ist dafür sehr dankbar: «Dieses Sekretariat und die Workshops helfen, das Papua-Volk zu stärken und zu selbstbewussten Christen zu befähigen.» Diese Stärkung ist wichtig, da wir immer mehr mit Gewalt von aussen konfrontiert werden, die unser Leben bedroht.

Auch Pastor Marten Mauri aus Papua Kota Jayapura hat an einem der Workshops teilgenommen. Er ist beeindruckt: «Besonders wichtig sind die Menschenrechte und soziale Analyse, weil Gottes Volk in Papua derzeit vor grossen, lebensbedrohlichen Herausforderungen steht. Mit dem neu angeeigneten Wissen können wir die uns anvertrauten Menschen besser schützen. Überdies wurde mir bewusst, dass ich mich als Gemeindeleiter nicht nur mit Fragen des Glaubens auseinandersetzen darf. Menschenrechte und soziale Fragen sind ebenso untrennbare Aspekte unseres pastoralen Dienstes. Die Workshops helfen uns, damit wir in West-Papua, diesem Land voller Probleme, Salz und Licht sein können.»

Mariance Ongomang hat den Workshop ebenfalls besucht. Sie ist Studentin am «Walter Post Institute of Theology» und Sonntagsschullehrerin in ihrer Gemeinde. Mariance betont: «Durch diesen Workshop verstehe ich besser, was die Kinder in der Sonntagsschule brauchen. Ausserdem fühle ich mich selbstbewusster, um auf meine Leute in den Dörfern zuzugehen und sie über Menschenrechte, v.a. über Kinder- und Frauenrechte, aufzuklären. Schliesslich will ich mich nun mutig für unser Land einsetzen, das Gott uns gegeben hat. Ich hoffe, dass es noch viele solcher Workshops geben wird.»  

Projektleiterin Indonesien

 

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