Nach der Zwangsehe neue Perspektiven im CSI-Schutzhaus

Als Zwölfjährige wurde Maham Niaz nachts aus ihrem Haus entführt und zwangsverheiratet. Nach 22 Tagen kann die Polizei sie befreien und den Täter festnehmen. Heute ist Maham 15. CSI sprach mit ihrer Familie in Pakistan, bis das Interview durch das Auftauchen des Vermieters abgebrochen wurde. Demnächst wird Maham im CSI-Schutzhaus aufgenommen.

Maham (rechts) mit ihrer Familie. Die junge Christin konnte nach 22 Tagen befreit werden. csi

Maham war gerade mal zwölfjährig, als sie im Winter 2019 nachts um 21 Uhr aus ihrem Haus entführt wurde, während alle schliefen und ihr Vater Niaz auf dem Feld arbeitete. Als der Vater tags darauf am Mittag zurückkam, erstarrte er vor Schrecken: Seine Tochter war spurlos verschwunden!

Opfer befreit – Täter verhaftet

In Panik suchten Niaz und seine Frau nach Maham. Sie erfuhren, dass auch Muhamad Farooq, ein Nachbar, verschwunden war. Trotzdem konnten sie ihre Tochter nicht finden. In ihrer Verzweiflung wandten sie sich an die Polizei in Lahore.

Es war Glück im Unglück, dass Maham nach 22 Tagen von der Polizei gefunden wurde. Farooq hatte sie entführt und ins Haus eines Verwandten in Faisalabad gebracht, wo er sie zum Islam und zur Heirat zwang. Maham lebte wie eine Sklavin und musste putzen und waschen. Noch schlimmer: Sie wurde mehrfach vergewaltigt und misshandelt.

Nach ihrer Rettung erzählte Maham der der Polizei, was geschehen war und dass sie zu ihren Eltern zurück will. Farooq konnte verhaftet werden.

Prekäre familiäre Verhältnisse

Mahams Vater Niaz muss unter sklavenähnlichen Bedingungen bei einem Grossgrundbesitzer arbeiten, welcher der Familie zudem eine stallähnliche Unterkunft vermietet. Das Gehalt von Niaz ist zu tief, um die Familie zu ernähren. Zudem hat er Schulden bei seinem Arbeitgeber. Niaz träumt davon, als Fahrer zu arbeiten und nicht mehr von seinem Vermieter abhängig sein zu müssen.

Während die jüngeren Schwestern in die Schule gehen, müssen Maham und die Mutter als Haushaltshilfen arbeiten, damit es die Familie über die Runden schafft. «Sehr gerne würden wir mehr über unseren christlichen Glauben erfahren», sagt Maham. «Wir wissen lediglich, dass man als Christ Weihnachten und Ostern feiert.» Weil die Kirche zu weit weg ist und sie auch sonntags arbeiten müssen, besteht dazu kaum eine Möglichkeit.

Im Verlaufe des Gesprächs mit CSI betrat der Grossgrundbesitzer die Hütte. Er hatte die geparkten Autos gesehen und wollte «nach dem Rechten schauen». Schlagartig änderte sich die Atmosphäre. Mahams Familie war derart eingeschüchtert, dass das Gespräch nicht fortgesetzt werden konnte.

CSI hilft

Zusammen mit dem pakistanischen Partner setzt sich CSI juristisch für die Familie Niaz ein. Ziel ist es, den Arbeitgeber und Vermieter vor Gericht zu stellen. Dies, weil seine Angestellten nicht einmal mit dem gesetzlichen Minimum entlöhnt werden.

In den nächsten Tagen wird
Maham ins CSI-Schutzhaus für befreite Opfer von Zwangsheirat aufgenommen, wo sie vor der Familie ihres Entführers sicher ist. Zudem wird sie eine praktische Ausbildung als Visagistin und Schneiderin absolvieren, darf schreiben und lesen lernen und wird spirituell begleitet, damit sie mehr über ihren liebenden Gott erfahren kann.

Reto Baliarda

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