«Schulden» bezahlt – Neues Leben für christliche Ziegeleiarbeiter

Millionen von Pakistanern müssen unter sklavenähnlichen Bedingungen in einer Ziegelei schuften, allen voran Christen und Hindus. Aus finanziellen Gründen gibt es für sie kaum ein Entrinnen. Mit Hilfe von grosszügigen Spendern konnte CSI mehreren Arbeiterfamilien eine neue Zukunft schenken.

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Ihr Arbeitsalltag ist unvorstellbar hart: Rund 1000 Ziegel muss eine Arbeiterfamilie täglich formen, trocknen und dann im Ofen brennen. Ihr durchschnittlicher Tageslohn von umgerechnet vier Franken ist viel zu tief, um die Lebenskosten zu decken.

Um zu überleben, nehmen viele betroffene Familien beim muslimischen Fabrikbesitzer einen Kredit auf. Sie geraten so in eine Schuldenfalle, von der sie aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr finden. Die skrupellosen Fabrikbesitzer schrecken nicht davor zurück, Kinder von verschuldeten Familien zur Arbeit zu zwingen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass rund 70 Prozent der 4,5 Millionen Ziegeleiarbeiter in Pakistan minderjährig sind. Wegen der täglich mehrstündigen Arbeit in der Ziegelei bleiben sie oft der Schule fern. Sie drohen den Anschluss zu verlieren oder gehen gar nicht mehr zur Schule.

Vor allem die Töchter einer betroffenen Familie sind bei all dem Elend noch zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Nicht selten tummeln sich in einer Ziegelei muslimische Männer herum, die versuchen, Mädchen von Arbeiterfamilien zu entführen und unter Zwang zu heiraten und zu islamisieren.

Schicksal einer Grossfamilie

Die Familie von Shoukat Masih ist als Zwangsarbeiter in einer Ziegelbrennerei in der Provinz Punjab angestellt. Shoukat und seine Frau Razia arbeiten seit mehreren Jahren dort. 2014 erkrankte Razia an Krebs. Für die Behandlung ihres Tumors wie auch für die Heirat von drei Töchtern musste Shoukat beim Fabrikbesitzer einen Kredit aufnehmen. Damit die Familie nicht noch tiefer in die Schulden geriet, hat Riba, eine der verheirateten Töchter, die Schule nach der 5. Klasse verlassen und schuftet seitdem den ganzen Tag in der Ziegelei. Ein weiterer Sohn ist körperlich behindert und kann nur beschränkt aushelfen.

Nicht nur deshalb müssen auch je zwei jüngere schulpflichtige Söhne und Töchter des zehnfachen Familienvaters stundenweise arbeiten. Sie klagen gegenüber dem CSI-Partner, dass sie wegen der Zwangsarbeit in der Ziegelei kaum in der Lage sind, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Immerhin konnte Shoukat den Fabrikbesitzer dazu bringen, dass seine jüngsten Töchter nicht in der ungeschützten Umgebung einer Ziegelei arbeiten müssen. Shoukat ist häufig niedergeschlagen. «Ich mache mir immer Sorgen um die Zukunft meiner Kinder. Sie sollen kein Leben als Sklaven führen müssen wie ich.»

Un travail dur sous un soleil de plomb : Shoukat Masih et sa fille Areeba sont reconnaissants que ces images appartiennent désormais au passé. csi
Schwerarbeit unter der sengenden Sonne: Shoukat Masih und seine Tochter Areeba sind dankbar, dass solche Bilder nun der Vergangenheit angehören. csi

Anschluss in der Schule gefährdet

Youhana Masih und seine Frau Abida wohnen mit ihren drei Kindern in Gojra, ebenfalls in der Provinz Punjab. Die Familie wäre ohne das beim Fabrikbesitzer ausgeliehene Geld nicht mehr über die Runden gekommen. Doch ihre Schulden wachsen von Tag zu Tag an. Die Kinder sind zwischen fünf und zehn Jahre jung. Da sie nach der Schule ihren Eltern in der Ziegelei helfen müssen, können Eishal, Sharjeel und Aliya den Schulstoff kaum noch bewältigen und hinken häufig hinterher. Sie haben überdies Mühe, sich in der Schule zu konzentrieren.

Vererbte Schulden getilgt

Auch Saleem Masih und seine Frau Nasreen Bibi aus Gojra waren in die Schuldenfalle ihres Ziegeleibesitzers geraten. Acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes starb auch Nasreen am 21. April 2020. Die angehäuften Schulden wurden auf die drei Kinder, den Sohn Naeem (23) sowie die beiden Töchter Muqaddas (19) und Shamim (15), übertragen. Die drei müssen unter unhygienischen und gefährlichen Bedingungen in der Ziegelei arbeiten. Die Angst vor einer Entführung ist bei ihnen allgegenwärtig.

Neues Leben ermöglicht

Mit Hilfe von treuen und grosszügigen Spendern ist es CSI gelungen, die von der schweren Arbeit gezeichneten Familien aus ihrer scheinbar ausweglosen Lage zu befreien. Sämtliche Schulden konnten zurückbezahlt werden. Sowohl die Familien von Shoukat und Youhana Masih als auch die Kinder von Saleem und Nasreen können nun ein unabhängiges Leben in Freiheit führen und dank einer Anschubfinanzierung ein Kleingewerbe aufbauen. Durch die Befreiung aus der Schuldknechtschaft konnte ihnen eine neue Zukunft geschenkt werden. CSI-Projektpartner Anjum Paul besucht die Familien weiterhin regelmässig, denn plötzlich in Freiheit zu leben ist nicht immer einfach. So berät er sie und steht ihnen bei Fragen und Herausforderungen zur Seite.

Reto Baliarda

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