Priester überlebte Entführungstortur von Fulani-Islamisten

Am 10. April 2021 wurde der katholische Priester Izuchukwu Marcel Onyeocha im Südosten Nigerias von bewaffneten Männern entführt. Sie drohten ihm mit dem Tod. Pater Marcel, der nach der traumatisierenden Gefangenschaft schliesslich unverletzt freigelassen wurde, dankt Gott für seine wundersame Flucht.

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Entführungen zur Erpressung von Lösegeld durch extremistische Fulani-Viehhüter kommen in Nigeria leider immer häufiger vor. Mit Pater Marcel wurde ein hochrangiger katholischer Priester und bekannter Universitäts-Professor eines der jüngsten Entführungsopfer.

Von seinem Krankenhausbett in der südöstlichen Stadt Owerri aus erzählte Pater Marcel den lokalen Medien, dass der Angriff geschah, als er auf dem Weg zur Hochzeit eines ehemaligen Studenten in der Grossstadt Enugu* war. Unterwegs hatte das Auto eine Panne. Der Fahrer war gerade dabei, es zu reparieren, als die Kidnapper zuschlugen.

«Es waren sechs Fulani-Nomaden», berichtet der Priester in einem Interview mit der nigerianischen Zeitung «Star». «Sie waren mit Macheten und anderen Waffen in ihren Taschen ausgerüstet. Sie zerrten mich aus dem Auto und fingen an, mich zu schlagen und zu treten. Dann schlugen sie mit ihren Macheten auf mich ein.»

Todesdrohungen und Lösegeldforderungen

Die jungen Fulani-Islamisten zerrten daraufhin Pater Marcel immer tiefer in den Wald, bis er die Orientierung verlor. «Es war stockdunkel. Ich konnte nichts sehen», erinnerte er sich. «Da ich nicht alleine gehen konnte, zogen sie mich. Jedes Mal, wenn ich hinfiel, prügelten sie auf mich ein. Als wir schliesslich an einem Versteck ankamen, setzten sich hin. Sie drohten mir, den Kopf abzuschlagen.»

Die Entführer forderten den Priester auf, ihnen sein Handy zu geben. Sie würden damit seiner Familie anrufen und dabei Lösegeld in der Höhe von 50 Millionen Naira (110‘000 Franken) verlangen. Doch da Pater Marcel bei weitem nicht so viel Geld hatte, versprachen ihm die Fulani-Islamisten, sie würden seiner Familie mehr Zeit geben. Die ganze Nacht hindurch betete der Pater in aller Stille, während die Entführer ihn weiterhin bedrohten.

Am nächsten Tag ging das nervenaufreibende Seilziehen um die Lösegeldforderung weiter. Jedes Mal, wenn jemand auf das Telefon des Priesters anrief, wiederholten die Angreifer ihre Lösegeldforderung. Schliesslich senkten sie die Summe auf umgerechnet 30‘000 Franken.

Am späten Nachmittag um 17 Uhr machten die Entführer mit ihrer Morddrohung ernst: «Okay, du weisst, dass der Akku deines Telefons bald leer sein wird. Wenn wir in den nächsten Stunden die 15 Millionen Naira nicht bekommen, werden wir dich heute Nacht töten. Wir werden uns dann das Geld von deinen Freunden besorgen. Das ist unser Job.»

Wundersamer Sinneswandel

Was dann rund eineinhalb Stunden später geschah, grenzt an ein Wunder. Erleichtert stellte Pater Marcel fest, dass seine Entführer ihre Waffen abgelegt hatten. Vor allem aber fragte ihn einer der Entführer: «Wenn wir dich jetzt freilassen, kannst du dann den Weg zur Hauptstrasse finden?»

Doch die Tortur sollte noch einige Stunden andauern. Um Mitternacht gingen die Kidnapper los und nahmen Pater Marcel mit. «Sie hielten mich an den Schultern fest.» Als sie bei einer Strassenkreuzung ankamen, erklärten sie dem Geistlichen, wie er die Haupstrasse finden könne.

Er zog alleine los, steckte aber bald in einem Steinbruch fest. Zu allem Übel begann es noch heftig zu regnen, und der erschöpfte Priester stand bald bis zu den Knien im Schlamm. Glücklicherweise entdeckten einige Sicherheitsbeamte, die in der Gegend patrouillierten, das Licht von Pater Marcels Handy. Sie übergaben den durchnässten Priester der Polizei.

So etwas wünscht er niemandem

Pater Marcel kann sich nicht erklären, warum seine Angreifer ihn frei liessen, obwohl sie kein Lösegeld erhalten hatten. Für ihn kommt nur ein übernatürliches Eingreifen in Frage. «Selbst als sie sagten, ich könne gehen, dachte ich, dass sie mich von hinten erschiessen würden. Aber sie haben es nicht getan. Sie sind einfach gegangen. Ich glaube, es ist Gott, der mich gerettet hat.» Und dennoch bemerkt der freigelassene Geistliche: «Niemand soll auch nur annähernd das erleben, was ich durchgemacht habe; nicht einmal für eine Minute.»

CSI setzt sich seit Jahren für die Opfer von islamistischen Übergriffen in Nigeria ein. Zudem hat CSI Ende Januar 2020 eine Genozid-Warnung gegen Christen in Nigeria herausgegeben. Dies vor allem wegen der zunehmenden Übergriffe durch islamistische Fulani-Kämpfer.

*CSI unterstützt in Enugu seit Jahren ein Schulprojekt

Morven McLean, Reto Baliarda

 

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