«Als Kind musste ich meinen Glauben geheim halten»

«In Bangladesch sind 92 Prozent der Gesamtbevölkerung Muslime. Obwohl es ein säkularer Staat ist, gibt es vermehrt radikal islamische Gruppierungen und Parteien, die aus Bangladesch ein zu 100 Prozent muslimisches Land machen wollen». erklärt William Proloy Samadder. Der CSI-Projektpartner aus Bangladesch stellt sich vor.

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«In meiner Kindheit lernte ich, meinen Glauben zu meiner eigenen Sicherheit geheim zu halten. Ausserhalb unserer Glaubensgemeinschaft stellten wir uns häufig mit Spitznamen vor. Doch eines Tages wollte ich als Kind dieses Versteckspiel beenden. Ich fing an, mich in der Öffentlichkeit mit meinem richtigen Vornamen «William» vorzustellen.

Mit meiner neuen Glaubensidentität machte ich unterschiedliche Erfahrungen.

In der Schule zum Beispiel durfte ich als Christ kein Wasser aus den Wassergläsern für die Schüler trinken. Doch ich blieb standhaft und offenbarte eines Tages meinem Schuldirektor, dass ich den muslimischen Religionsunterricht nicht mehr besuchen wolle und mein Examen über das Christentum schreiben möchte. Nach jahrelangem Kampf konnte ich meine Schulabschlussprüfung übers Christentum schreiben.

Einmal wurde ich in der Schule von meinen Klassenkameraden verprügelt, weil ich mit einem muslimischen Mädchen über eine Klassenarbeit gesprochen hatte. An diesem Tag las meine Mutter die Bibelverse von Matthäus 5:10-11 vor. «Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Glücklich könnt ihr euch schätzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt.»

Schon im ersten Jahr meines College-Besuchs 1993 begann ich, mich an der Seite der Unterdrückten und Verfolgten an verschiedenen Orten zu engagieren.

Wir gründeten eine Solidaritätsgemeinschaft unter christlichen und einigen säkularen Studenten. Wir boten Hilfseinsätze an und riefen eine christliche Blutspendegruppe ins Leben. Unser Slogan lautete: «Jesus hat sein Blut für mich gespendet, also ist unser Blut für euch alle».

Anfänglich weigerten sich muslimische Patienten selbst in kritischem Zustand, Blut von einem Christen zu empfangen. Doch mit der Zeit wurde unsere Gruppe eine der grössten Freiwilligen-Blutspende-Teams in Bangladesch. 

Zugleich wuchs in mir immer mehr der Wunsch, mich für verfolgte Minderheiten einzusetzen. So protestierten wir nach dem Bombenanschlag 2001 auf eine vollbesetzte katholische Kirche im Südwesten des Landes friedlich gegen die religiöse Verfolgung.

Im Jahr 2015 erfuhr ich, dass sich Vertreter einer christlichen Organisation aus der Schweiz mit mir treffen wollten. So kam ich mit CSI in Kontakt. Ich lernte viel über das weltweite Engagement für die Religionsfreiheit.

Zusammen besuchten wir ein Dorf, in dem eine christliche Schule wegen fehlender finanzieller Mittel vor der Schliessung stand. Im Weiteren konnte ich den CSI-Vertretern unsere Arbeit für bedrängte religiöse Minderheiten vorstellen.

Einige Wochen später erreichte uns ein Brief von CSI mit den Worten: «Wir wollen an Ihrer Seite stehen.» Gott hatte unsere Gebete erhört. Seither hat CSI viele Programme von uns unterstützt. Unter anderem konnte der Betrieb der Schule, die wir gemeinsam besucht hatten, jetzt unter unserer Führung weitergeführt werden.

Danke für die Solidarität. Möge Gott das Team von CSI segnen.»

William Proloy Samadder, Engage Bangladesh

 

 

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