Nach Krieg und Armut endlich eine Perspektive

Angst und Verzweiflung prägen das Leben vieler Christen. Für 52 Kinder von Familien aus einem Flüchtlingscamp öffnet sich ein Weg aus dem Elend. Dank der Hilfe der einheimischen CSI-Partnerin Kakreh Moo können sie in Thailand einen Schulabschluss machen. Auch Anuchit (23) und Sumalee (22) haben diese Chance bekommen.

Menschen im Karen-Flüchtlingscamp. csi

Über 1.5 Millionen Menschen sind in Myanmar auf der Flucht. Tausende von ihnen leben in Binnen-Flüchtlingslagern an der thailändischen Grenze. Sie leben in Armut und unter ständiger Bedrohung, vom burmesischen Militär attackiert zu werden. Immer wieder müssen sie vor Luftangriffen in den Dschungel fliehen, wo sie teils nächtelang ausharren.

Die Not der Vertriebenen ist allgegenwärtig. Es herrscht Nahrungsmittelknappheit. Viele Bewohner leiden an Erkrankungen. Schulbildung ist schwierig, da auch die spärlich eingerichteten Schulzimmer oft tagelang nicht genutzt werden und die Lehrpersonen praktisch nichts verdienen. Die CSI-Partnerin Kakreh Moo (Name geändert) besucht eines dieser Lager regelmässig, in dem über 600 Karen-Christen ausharren, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern zu versorgen.

Besonders am Herzen liegt ihr die Zukunft der jungen Generation. Mit dem Einverständnis der Eltern und der Zusammenarbeit der Campleitung hat Kakreh in den letzten vier Jahren 52 Kinder ins benachbarte Thailand gebracht. 33 Kinder leben in einem Primarschul-Internat in einem abgelegenen Dorf nahe der Grenze. Kochen, Feuerholz sammeln, waschen und putzen gehören zu den  Aufgaben der Kinder.

Zudem bereiten sie sich auf die weiterführende Schule oder eine Berufsbildung im Bezirk Mae Sariang vor. «Mit dem Schulabschluss haben sie Aussicht auf die thailändische Staatsbürgerschaft. Nur so erhalten sie eine Zukunftsperspektive», erklärt Kakreh Moo.

Auf diesem vielversprechenden Weg befinden sich die anderen 19 SchülerInnen, die von der CSI-Projektleiterin kürzlich Besuch erhielten. Die Teenager und jungen Erwachsenen sind in Gastfamilien untergebracht. «Als Gegenleistung helfen sie im Haushalt mit», so Kakreh Moo, die im Auftrag von CSI für die Schulgebühren und Lebensmittel der 19 Jugendlichen aufkommt. Um etwas Sackgeld zu verdienen, arbeiten diese auf Bauernhöfen, in Läden oder auch in Restaurants.

Alle sprechen davon, nach der Ausbildung und dem Erlangen des thailändischen Passes nach Myanmar zurückzukehren.

Heimweh überwunden

Der 23-jährige Anuchit war 14, als ihm andere Kinder des Lagers von einer Schule in Thailand erzählten. Seine Eltern ermutigten ihn so lange, bis er bereit war, den Schritt zu wagen. So liess Anuchit die Familie schweren Herzens im Camp zurück. «Zugleich wusste ich, dass dies meine einzige Chance war, das Lager zu verlassen und eines Tages meine Familie unterstützen zu können.»

Der Wechsel von der Primar- in die Sekundarschule in Mae Sarjang war für Anuchit herausfordernd. Die Anforderungen in der Schule stiegen. «Einige thailändische Schüler und gar Lehrer schikanierten mich und beschimpften mich als Ausländer», erzählt er traurig. Doch er verliert den Fokus auf den Schulabschluss nicht aus den Augen und ist dankbar für die Freundschaften mit anderen.

Nun ist Anuchit im dritten Jahr seiner Automechanikerlehre. Als Nächstes will er eine Weiterbildung absolvieren und danach die thailändische Staatsbürgerschaft beantragen. Sein Ziel ist es, ein eigenes Geschäft zu führen und seine Familie im Camp zu unterstützen.

Der 23-Jährige hat sich über den CSI-Besuch aus der Schweiz sehr gefreut: «Vielen Dank, dass Sie uns unterstützen und sich Zeit genommen haben, sich unsere Geschichten und Leiden anzuhören.»

Chance gepackt

Auch Sumalee (22) erhielt die Möglichkeit, ausserhalb des Camps die Schule zu besuchen. Für die damals Siebenjährige war es ebenfalls hart, die Familie zu verlassen und allein ins thailändische Schuldorf zu ziehen. Doch sie wollte die Chance packen.

Die Bewohner im kleinen Dorf, wo sich die Schule befindet, verhielten sich gegenüber den Flüchtlingskindern wohlwollend. Ebenso genoss sie die Freundschaften zu den anderen Schülerinnen aus dem Camp.

Mit 12 Jahren ging Sumalee in die Sekundarschule im Städtchen Mai Haw. Auch sie erlebte Ausgrenzung von Thai-Studenten und Lehrern. Dies war für sie zuweilen besonders hart, da sie niemand anders kannte und CSI-Projektpartnerin Kakreh Moo sich mehrheitlich im rund 100 Kilometer entfernten Mae Sariang befand. «Aber ich lernte, mich zu wehren und konnte neue Freundschaften schliessen», fügt sie an.

Sumalee studiert Landwirtschaft und ist glücklich, dass sie schon viel Wissenswertes lernen konnte. «Wenn ich in den Ferien nach Hause fahre, werde ich meiner Familie im Vertriebenencamp zeigen, wie man die Reissetzlinge vor Insekten schützt», freut sie sich.

Die junge Christin weiss ihr sicheres Leben in Thailand zu schätzen. Im August 2023 wurde ihr Bruder bei einer Bombardierung in Myanmar verletzt. Er ist immer noch körperlich eingeschränkt. Weil es im Camp weder Spital noch Arzt gibt, wird er mit einfachen Medikamenten und Kräutern behandelt.

Reto Baliarda

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