Zertrümmerte Wahrheit – im Kampf um Würde am Lebensende

Zuerst bekommt ein Pastorenehepaar keinen Grabplatz, um seinen Sohn zu beerdigen. Dann wird der Grabstein über Nacht zertrümmert. Jetzt kämpfen Pastor Matthew und seine Frau mit Unterstützung der CSI-Partner um ihr Recht.

Das Pastorenehepaar mit Sohn vor dem Poster, das in der Mitte den verstorbenen Sohn und dessen Bruder zeigt. csi

Vor allem der südwestliche Teil Sri Lankas ist enorm feucht und weitgehend kräftig grün. Pflanzen, die bei uns im Wohnzimmer stehen, wachsen hier wild und üppig.

Als wir uns auf den Weg von Colombo ins zwei Stunden nördlich gelegene Puttalam aufmachen, regnet es. Unser Team mit der CSI-Projektmanagerin für Sri Lanka, einer Anwältin und einem Vertreter der CSI-Partnerorganisation ist unterwegs zu Pastor Matthew und seiner Frau Sujeewa Rose Damayanthy. Die beiden leiten eine Kirche mit 70 Gläubigen.

Ein verhängnisvoller Sommertag

Ein Tag im Sommer 2023 erschütterte das Leben des Pastorenehepaars von Grund auf. Bei einem Motorradunfall verlor ihr 19-jähriger Sohn das Leben. Sein älterer Bruder (22) überlebte. Der Verstorbene war ein fröhlicher Mensch gewesen. Musikalisch begabt, theologisch interessiert, in der Kirche engagiert. Der Schmerz der Eltern sitzt tief.

Grabstelle zuerst verweigert

Dass in dieser Situation die buddhistischen Dorfvorsteher alles unternehmen, um ein würdiges Begräbnis zu verhindern, ist unbegreifliche
Realität. Den trauernden Eltern wurde ein Grabplatz für den Sohn unter einer fadenscheinigen Begründung verweigert. Doch als dann eine unübersehbare Menge Menschen zum Kondolieren vorbeikam, lenkten die Friedhofsverantwortlichen plötzlich ein. Die Trauerfamilie durfte einen Begräbnisplatz kaufen und einen Grabstein aufstellen.

Bibelvers auf dem Grabstein

Was die Gestaltung des Grabsteins anging, wurde Pastor Matthew eingeschärft, kein christliches Symbol anzubringen. Also verzichtete er auf das Zeichen des Kreuzes. Inspiriert von buddhistischen Grabsteinen, die mit religiösen Weisheiten vollgeschrieben sind, setzte der Pastor einen Vers aus der Bibel auf den Stein: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.» (Joh. 14,6)

Den Grabstein zertrümmert

Zwei Wochen später wurde Pastor Matthew scharf gerügt und angewiesen, den Bibelvers sofort zu entfernen, da dieser «soziale Unruhen» auslösen könne. Anschliessend dürfe er den Friedhof nicht mehr betreten.

Das konnte und wollte der Pastor nicht akzeptieren. Er wandte sich an den CSI-Projektpartner mit der Bitte um rechtlichen Beistand. Nur zwei Tage später, es war Ende August 2023, zertrümmerten Unbekannte über Nacht den Grabstein des Sohnes.

Während uns Pastor Matthew dies erzählt, weint seine Frau. Sie sitzt vor einem grossen Poster, das die Familienmitglieder zeigt; in der Mitte mit strahlendem Gesicht der verstorbene Sohn.

Einige Wenige im Dorf werfen Pastor Matthew vor, er würde Buddhisten quasi «zwangskonvertieren». Das ist Unsinn. Der Pastor ist eine ruhige Person. Er handelt überlegt, predigt das Evangelium. Allgemein tun er und die Mitglieder seiner Gemeinde viel Gutes für ihre Nachbarn. Umso ungerechter ist die leidige Geschichte mit dem Friedhof.

Juristischer Kampf für alle Christen

Derzeit läuft eine Klage gegen Unbekannt wegen Vandalismus und Zerstörung. Der Pastor und seine Frau beten inständig, dass ihnen erlaubt wird, den Friedhof zu betreten und den Grabstein wieder aufzurichten.

Die Kraft für die rechtliche Auseinandersetzung schöpft er auch aus dem Wissen, dass viele Christen in Sri Lanka ähnlich schikaniert werden. Wollen sie ihre Verstorbenen begraben, werden sie wie Aussätzige behandelt. Dazu Pastor Matthew: «Ich kämpfe für unser Recht, weil ich eine Lösung für alle Christen erreichen will. Sie sollen nicht die gleichen Probleme haben wie wir.» Der CSIPartner steht ihm dabei zur Seite.

«Ein unermesslich hoher Preis»

Was seinen persönlichen Schmerz betrifft, so sagt der Pastor mit leiser, aber ruhiger Stimme: «Aus menschlicher Perspektive ist es ein unermesslicher Verlust, ein Kind zu verlieren. Aber wir dürfen wissen, wo unser Sohn jetzt ist.» Jesus Christus habe mit seinem Tod am Kreuz einen «unermesslich hohen Preis für uns bezahlt» und sei am dritten Tag vom Tod auferstanden. Der Glaube an ihn sei der Zugang zu Gott.

Nachdem wir für die trauernde Pastorenfrau gebetet haben, wischt sie sich die Tränen aus den Augen, schaut uns an und sagt: «Ich habe zu Gott gesagt: ‹Wenn du uns schon den Sohn nimmst, dann lass jetzt unsere Kirche wachsen!›»

Rolf Höneisen

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